Es kreischt der Zug, es schweigt die Bahn – DB beobachtet und misst, aber es ändert sich nichts

Mal kreischt es, mal rumpelt es nur... Die Baureihe 642 bei der Kurvendurchfahrt an der Minigolfanlage in Offenthal.

Das "Pflegestift an der Rodau" oder besser: "am Gleis". Der Einrichtungsbeirat beschwerte sich ebenfalls im vergangenen Jahr bei der Bahn. (Fotos: Mika)

Von Thomas Mika

 

DREIEICH/RÖDERMARK. Alle reden vom Wetter, leider auch die (Regional-)Bahn. Kurz vor und kurz nach halb ist die Welt nicht mehr in Ordnung rund um den vor sich hindümpelnden Minigolf-Platz in Offenthal, zumindest, wenn es trocken ist und sich die Außen-Temperaturen im zweistelligen Bereich bewegen. Bei schönstem Garten-Wetter also verursacht die Dreieieichbahn beim Durchfahren der dortigen Kurve einen derart nervtötenden Lärm (siehe Video), dass der Aufenthalt im Freien zum akustischen Martyrium wird.

 

Gegen das metallische Kreischen wird der Pegel der startenden und landenden Jets fast schon zur Nebensache. Zudem ist der kreissägenähnliche Ton auch hinter verschlossenen Türen und Fenstern noch gut zu vernehmen.

Eine Videoaufnahme ging dem DB-Regionalbüro Kommunikation Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland bereits am 15. August 2016 (!) zu, mehrere Nachfragen per Mail und Telefon blieben sage und schreibe bis zum 7. Oktober unbeantwortet. Dann mailte ein Bahnsprecher mit dem Hinweis "Bitte zitieren Sie mich als Quelle nicht namentlich": "Bezüglich der von Ihnen geschilderten Problematik ist der Betreiber der Regionalzüge - DB Regio Hessen - in intensivem Kontakt mit der DB Netz AG. Die Fahrzeuge der Baureihe VT642 (Desiro) waren bisher noch nicht auf der ­Strecke im Einsatz. Erste Erkenntnisse haben ergeben, dass sich durch den Radstand der neuen Züge die Belastung auf die Schienen verändert, wodurch dann die von Ihnen geschilderten ‚Quietschgeräusche‘ entstehen.

 

Schleifen?

Schmieren?

 

Derzeit (wir sprechen vom Sommer 2016; Anm. d. Red.) prüft die DB Netz AG, ob dies durch einen Schleifvorgang der Schienen korrigiert werden kann. Die Fahrzeuge an sich sind nicht lauter als die bisher eingesetzten Fahrzeuge. Die im Einsatz entstehenden Geräusche sind aber ungewohnt und werden daher möglicherweise subjektiv als lauter empfunden. Wir werden diesbezüglich die Geräuschentwicklung weiter beobachten und auch durch begleitende Messungen verfolgen. Gleichzeitig sind alle Beteiligten bemüht, einer möglichen Lärmbelastung der Anwohner durch geeignete Maßnahmen wie zusätzliche Schmierung der Radkränze an den Fahrzeugen, Schleifen der Schienen und präventive Unterhaltungsarbeiten an der Infrastruktur vorzubeugen."

Dass dieser Kurventerror, der nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv laut ist, auch auf der Dreieichbahn-Strecke zu vernehmen ist, war der Bahn angeblich neu, die aber ansons­ten "bundesweit diese Effekte" regis­triert. Passiert ist seit vergangenem Jahr trotzdem nichts.

Auch auf eine weitere Mail vom 16. März 2017 gab es bislang keine Reaktion. Wahrscheinlich freuen sich die Verantwortlichen immer noch, "dass der Fahrplan eingehalten wird und der Fahrkomfort für die Gäste stimmt".

Zudem gebe es (Originalzitat des namenlosen Sprechers) "keine Obergrenze für Lärm". Trotzdem will sich der Einrichtungsbeirat des Pflegestiftes "An der Rodau" in Rödermark-Urbe­rach demnächst mit einem Messgerät bewaffnen. Das Haus und vor allem dessen Balkone liegen ebenfalls direkt an einer Schienen-Kurve. Obwohl die Dreieichbahn hier einige Monate nur Schrittgeschwindigkeit fahren konnte, da es Probleme mit den Schranken gab, war und ist der Lärm auch hier ein Thema. Beim Ortstermin dieser Tage war das "Schleifen" allerdings weniger heftig zu vernehmen als im Dreieicher Stadtteil. Interessant ist, dass in Offenthal bei kalter und feuchter Witterung sowie teilweise in den frühen Morgen- und späten Abendstunden auch die Baureihe VT642 kaum für Verdruss sorgt. Ist es dagegen warm und ­trocken, "fräsen" sich auch die alten Züge mit dem Dieseltriebwagen GTW 2/6 durch die Kurve, die früher diese Stelle ohne Krach passierten.

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