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Dreieich
Fast 300 Unterschriften für den dauerhaften Erhalt der Fußgängerbrücke am Rande des Götzenhainer Ringwäldchens haben Ute Mauer und Jörg Kletzien gesammelt. Die beiden kämpfen als Anwohner für den Fortbestand der seit 2007 geschlossenen Verbindung von der Straße „Am Hengstbach“ ins nahe Grün zwischen Bach und Dreieichbahn. Bürgermeister Dieter Zimmer (links) und Erster Stadtrat Burlon (rechts) nahmen die Unterschriften entgegen. (DZ-Foto: Jordan)
Dreieich (DZ/jh) – Als sich Ute Mauer und Jörg Kletzien im vergangenen Jahr mit ihrem Ringen um den Erhalt einer seit mehreren Jahren geschlossenen Hengstbach-Brücke erstmals an die Dreieich-Zeitung wandten, da war dieses Eintreten zunächst nicht mehr als das Bemühen engagierter Bürger, die das Umfeld vor der eigenen Haustür im Blick haben. Mittlerweile aber, im Fahrwasser des Projektes „Schuldenbremse“, lässt sich am Beispiel der Ringwäldchen-Brücke in Götzenhain Dreieicher Kommunalpolitik nachvollziehen. Das Dilemma auf den Punkt gebracht: Es gibt einen Bedarf, aber es fehlt das Geld. Und es gibt den Rat privatwirtschaftlicher Unternehmensberater, der ganz offenkundig nicht wirklich mit öffentlichem Interesse vereinbar ist.In der vergangenen Woche haben Mauer und Kletzien im Rathaus 284 Unterschriften übergeben. Die Unterzeichner wünschen sich die Wiedereröffnung einer vor vielen Jahrzehnten geschaffenen Hengstbach-Querung, die das Götzenhainer Ringwäldchen mit der Straße „Am Hengstbach“ verbindet. Dabei sollte der Steg eigentlich schon längst verschwunden sein: Schon zweimal hat der Magistrat die dauerhafte Beseitigung der aus Sicherheitsgründen seit Herbst 2007 gesperrten Fußgängerbrücke beschlossen. Das oberste Gremium der Stadtverwaltung hatte sich nach einer Nutzen-Kosten-Abwägung erstmals im Oktober 2010 und dann erneut am 16. Mai 2011 für den Abriss ausgesprochen.
Denn: 2008 waren für den aus Gründen der Verkehrssicherheit nötigen Neubau (respektive die Sanierung) rund 40.000 Euro veranschlagt worden.
Am Beispiel der Ringwäldchen-Brücke zeigt sich somit ein generelles Problem der Stadt Dreieich: Immer öfter fehlen der 42.000-Einwohner-Kommune die Mittel, um ihren Besitz adäquat zu pflegen und zu erhalten. Objekte kommen in die Jahre, sie werden marode, ihre Reparatur gilt eines Tages als unwirtschaftlich, dann folgen mit dem Verweis auf die „Kraft des Faktischen“ (Motto: „leider alternativlos...“) die Beseitigung oder der Verkauf.
Rückenwind erhielt die Verwaltungsspitze im Zuge der „Schuldenbremse“. Die mit einem Gutachten zum Schuldenabbau beauftragte Unternehmensberatung Kienbaum aus Düsseldorf sprach sich im Sommer 2011 dafür aus, die Zahl der Brücken im Stadtgebiet zu reduzieren und so die Kosten für deren Unterhalt zu senken. Gegenwärtig geht der Magis-trat davon aus, dass sich auf diese Weise rund 20.000 Euro im Jahr einsparen lassen. Immerhin: 2009 flossen laut Kienbaum 95.000 Euro in die Dreieicher Gewässerquerungen, von denen nicht wenige als reparaturbedürftig gelten. Als Beispiele dafür gelten die Hengstbachbrücken an der Bellung-, der Schleusen- und der Rheinstraße.
Zum künftigen Prozedere in Sachen Brücken (und übrigens auch in punkto Brunnen) sagte Erster Stadtrat Martin Burlon auf Nachfrage der DZ, die Verwaltung werde sich jeden Einzelfall ansehen und dann individuell über Erhalt oder Abbau entscheiden. Bürgermeister Dieter Zimmer nahm die Unterschriften mit dem Hinweis entgegen, diese dem Magistrat und dem Stadtparlamament vorlegen zu wollen. Hoffnung machte er den Überbringern nicht. Stattdessen verwies er auf die Notwendigkeit, dass sich künftig bei entsprechenden Baumaßnahmen Bürger auch materiell engagieren. Er nannte als Beispiel den „Schneckenbrunnen“ in Buchschlag, der dank einer Spendensammlung mehrerer Vereine habe erhalten werden können. Dieses bürgerschaftliche Engagament habe Vorbildcharakter. Einen Automatismus nach dem Motto „Brückenerhalt nur bei Geldzahlungen durch Anrainer und Nutzer“ verneinten Zimmer und Burlon unisono.
Zur Erinnerung: In Buchschlag verzichtete die Stadt auf den Verkauf der der 800 Quadratmeter großen Brunnenparzelle am Forstweg und damit auf Einnahmen in Höhe von über 350.000 Euro.
Indes dürfen nach Überzeugung von Mauer und Kletzien nicht nur materielle Aspekte auf die Waagschale geworfen werden. Brücken seien im übertragenen Sinne Zugänge in andere Welten, die es zu erhalten gelte. Sie seien als Garanten traditioneller Wegeverbindungen ein Stück Heimat, das bewahrt werden müsse. Dies vor Augen, ließe sich mit einigem guten Willen sich auch im Fall der Götzenhainer Brücke eine Lösung finden, die im Sinne der Öffentlichkeit sei – finanziell und haftungstechnisch.
Die Kontaktaufnahme mit den Befürwortern des Brückenerhalts ist via E-Mail an ringwaeldchenbruecke@web.de möglich.