Furcht vor "Zwei-Klassen-Unterbringung" Politik pro Tierschutz: CDU und Grüne begrüßen Vereinslösung

DREIEICH. Im Mai ließ die Nachricht aufhorchen, dass sich mit dem Verein "Tierrettungsdienst Frankfurt", der Träger der Tierherberge Egelsbach ist, und einer Allianz aus dem Tierschutzverein Langen/Egelsbach und der Dreieicher "Tierhilfe aktiv" zwei Initiativen aus dem Bereich des Tierschutzes um die Übernahme des Tierheims Dreieich beworben haben (die DZ berichtete). Während der Tierrettungsdienst mittlerweile ein detailliertes Konzept für die Einrichtung in der Dreieichenhainer Gemarkung "Im Haag" abgegeben hat (siehe Beitrag in dieser Ausgabe), liegt von den beiden anderen Vereinen bislang lediglich eine allgemeine Willensbekundung vor. Die Botschaft von Marlies Bahr (Tierschutzverein) und Evelin Bohlscheid (Tierhilfe): Es müsse verhindert werden, "dass Kommerz bzw. gewerblich betriebene Tierzucht zu Lasten der Fund-, Abgabe- und beschlagnahmten Tiere geht". Es drohe sonst die Gefahr einer Zwei-Klassen-Unterbringung - hier "wertvolle" Zuchttiere, dort herrenlose Kreaturen.

Hintergrund dieser Befürchtung: Mit der bereits im vergangenen Jahr publizierten Bewerbung von Barbara Mosch-Schlösser ("Doggenzucht von Schlesien"), die im Langener Mühltal eine Hundezucht nebst Tierpension betreibt, liegt nach Angaben des Tierheim-Vorstandes bislang lediglich das Konzept einer aus dem Kreis der Tierschützer als "gewerblich" verbuchten Interessentin vor.

Das Tierheim Dreieich gilt als sanierungsbedürftig. Erbaut wurde es von der einst in England gegründeten, mittlerweile aber bei der Commerzbank in Frankfurt angesiedelten "Stiftung zur Förderung des Tierschutzes". Der Verein "Tierheim Dreieich" und die ihn tragenden Städte und Gemeinden sind für den Betrieb verantwortlich. Alle angeschlossenen Kommunen, die gesetzlich zur Versorgung von Fundtieren verpflichtet sind, steuern pro Einwohner 80 Cent im Jahr für den Unterhalt der Einrichtung (maximale Kapazität: 60 Katzen, 45 Hunde und 30 Kleintiere) bei. Egelsbach, Langen, Neu-Isenburg, Dreieich, Dietzenbach, Heusenstamm, Rodgau, Mühlheim, Obertshausen und Seligenstadt sind derzeit dem Verbund angeschlossen, die drei Vorstandsmitglieder Manfred Weil (Stadt Langen), Thomas Müller (Stadt Dreieich) und Hans-Jürgen Maas (Stadt Neu-Isenburg) sind Mitarbeiter der jeweiligen Stadtverwaltung.

Für die angestrebte Übergabe der Einrichtung in neue Hände müssen die genannten Städte und Gemeinden grünes Licht geben. Erste politische Kraft, die in Dreieich die jüngste Entwicklung kommentierte, war die von Hartmut Honka geführte CDU-Fraktion: "Wir finden es gut, dass sich innerhalb weniger Tage gleich zwei nicht kommerzielle potenzielle Betreiber an die Öffentlichkeit und die Politiker in den Trägerkommunen des Tierheims Dreieich gewendet und ihre Ideen vorgestellt haben. Wir hatten in den letzten Wochen und Monaten nicht gerade viele Informationen von Seiten des bestehenden Trägervereins bezüglich der Zukunft des Tierheims erhalten", ließ die Partei verlauten. Man erwarte angesichts einer geplanten Übergabe Ende 2014, dass der Magistrat den städtischen Gremien zeitnah alle Fakten an die Hand gebe. Honka: "Das Wohl der Tiere bewegt viele Menschen. Von daher ist es wichtig, dass die Entscheidungsfindung transparent und ohne Zeitdruck erfolgt."

Auch bei den Dreieicher Grünen wird die jüngste Entwicklung mit Wohlwollen verfolgt. Ralph Pies erklärte: "Wir sind sehr dafür, dass das Tierheim in Zukunft von Leuten gemanagt wird, die sich dem Tierschutzgedanken verbunden fühlen. Nur so wird es möglich sein, das große ehrenamtliche Engagement in diesem Bereich für den Tierschutz nutzbar zu machen." Eine Trägerschaft durch einen kommerziellen Tierzüchter sei ausgeschlossen. Pies: "Wir sehen durchaus einen Widerspruch zum gesetzlichen Auftrag der Kommunen, sich aus Gründen des Tierschutzes um Fund- und Abgabetiere kümmern zu müssen. Die Vermittlung dieser Tiere hat jedoch Vorrang vor dem kommerziellen Verkauf von Zuchttieren."

Es gibt mittlerweile weitere Stellungnahmen des Tierheim-Vereins und der beiden Vereine um Bahr und Bohlscheid (Bericht folgt).

(jh)

 

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