Fusion der Vereine? Tierschützer träumen vom Tierheim Dreieich - Politik soll entscheiden

Von Jens Hühner

 

KREIS OFFENBACH. Die künftige Organisationsform des Tierheims Dreieich war in den vergangenen Monaten wiederholt Gegenstand einer öffentlichen Betrachtung. Ausgelöst wurde dies durch eine Erklärung des Vorstands jenes Vereins, der Träger der Einrichtung in der Dreieichenhainer Gemarkung "Im Haag" ist.

 

"Wird aus dem Tierheim Dreieich eine moderne Tierpension?" Mit dieser Frage setzten Manfred Weil (Stadt Langen), Thomas Müller (Stadt Dreieich) und Hans-Jürgen Maas (Stadt Neu-Isenburg) 2013 die Diskussion um eine Privatisierung des "Tierasyls" in Gang. Und sie begründeten dies unter anderem mit einem aufgelaufenen Sanierungsbedarf in Höhe von über 500.000 Euro - Geld, das bis 2022 unter anderem in das Dach und in eine neue Heizung zu investieren sei, das der Verein "Tierheim Dreieich" aber nicht besitze.

Zeitgleich wurde bekannt, dass es mit Barbara Mosch-Schlösser ("Doggenzucht von Schlesien"), die im Langener Mühltal eine Hundezucht nebst Tierpension betreibt, eine sehr ernsthafte Interessentin für die Dreieicher Immobilie gebe. Die Idee des "Tierheim"-Vorstandes: "Durch Modernisierung, Erweiterung des Beherbungsbetriebes und eine optischen Aufwertung des Geländes soll nach Vorstellungen der potenziellen Käuferin aus dem tristen Tierheim eine ansprechende Tierpension entstehen. Neben der Sanierung des Gebäudes soll auch ein weiterer Anbau für ein Katzenhaus erfolgen. Ebenso sollen mehrere Freiläufe für Hunde neu geschaffen und mit Hütten bestückt werden, die auch wintertauglich sind." Die Interessentin wolle den Standort in Dreieichenhain als Dependance führen.

Eine Entscheidung hinsichtlich des weiteren Vorgehens ist bislang noch nicht gefallen. Es sind im Übrigen weitere Interessenten auf den Plan getreten. Nachdem 2013 der Vorstoß einer "Interessengemeinschaft Tierheim Dreieich" ins Leere gelaufen war, suchten in dieser Woche gleich zwei weitere Bewerber den Weg an die Öffentlichkeit. Zum einen hat eine Allianz aus Tierschutzverein Langen/Egelsbach und der Dreieicher "Tierhilfe aktiv" ihren Hut in den Ring geworfen, zum anderen liegt eine Bewerbung des Tierrettungsdienstes Frankfurt vor, der Träger der Tierherberge Egelsbach ist (siehe Bericht auf Seite 2).

Wie Evelin Bohlscheid, die langjährige Vorsitzende der "Tierhilfe aktiv" im Gespräch mit der Dreieich-Zeitung erklärte, sind beide Vereine gewillt, ihre Mitglieder und das vorhandene Vereinsvermögen in das "Tierheim"-Projekt einzubringen. Denkbar sei darüber hinaus der Einstieg weiterer Organisationen, die sich in den "Tierheim"-Mitgliedskommunen für Vierbeiner engagieren. Dieser Vorschlag dürfe nicht als Konkurrenz zur Initiative aus Frankfurt beziehungsweise Egelsbach verstanden werden: "Im Gegenteil, eine Kooperation könnte unser aller Ziel nur stärken."

Um für ihr Konzept zu werben, haben Bohlscheid und Marlis Bahr, die seit vielen Jahren den Tierschutzverein Langen/Egelsbach leitet, am Wochenende zahlreiche Bürgermeister, Stadträte und Stadtverordnete angeschrieben. Auch Landrat Oliver Quilling hat Post erhalten. Die zentrale Botschaft lautet: Es müsse verhindert werden, "dass Kommerz bzw. gewerblich betriebene Tierzucht zu Lasten der Fund-, Abgabe- und beschlagnahmten Tiere geht". Es drohe sonst die Gefahr einer Zwei-Klassen-Unterbringung - hier "wertvolle" Zuchttiere, dort herrenlose Kreaturen.

Zum Hintergrund: Das Tierheim Dreieich steht seit 1972 auf einem von der damals noch eigenständigen Stadt Dreieichenhain im Rahmen eines Erbbaurechts für 99 Jahre übertragenen Grundstück. Erbaut wurde es von der einst in England gegründeten, mittlerweile aber bei der Commerzbank in Frankfurt angesiedelten "Stiftung zur Förderung des Tierschutzes". Der Verein "Tierheim Dreieich" und die ihn tragenden Städte und Gemeinden sind für den Betrieb verantwortlich. Alle angeschlossenen Kommunen, die übrigens gesetzlich zur Versorgung von Fundtieren verpflichtet sind, steuern pro Einwohner 80 Cent im Jahr für den Unterhalt der Einrichtung (maximale Kapazität: 60 Katzen, 45 Hunde und 30 Kleintiere) bei. Egelsbach, Langen, Neu-Isenburg, Dreieich, Dietzenbach, Heusenstamm, Rodgau, Mühlheim, Obertshausen und Seligenstadt sind dem Verbund angeschlossen, die drei genannten Vorstandsmitglieder sind Mitarbeiter der jeweiligen Stadtverwaltung.

Bahr, Bohlscheid und deren Mitstreiter können sich vorstellen, dass ihre Vereine mit dem "Tierheim"-Verein fusionieren. "Wir sind bereit, den Status unserer Vereine für den Verein Tierheim Dreieich aufzugeben und gemeinsam für Mensch und Tier da zu sein", heißt es in dem am Wochenende in Umlauf gebrachten Schreiben der Tierschützer. Bohlscheid, nach deren Worten der Sanierungsaufwand noch einmal von einem anderen Gutachter beleuchtet werden soll (es gehe ja vielleicht auch kostengünstiger), setzt in puncto Zukunftssicherung nicht nur auf die Politik. Sie geht davon aus, dass sich auch die Bevölkerung auf breiter Front für eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe gewinnen lässt. Daher sollten sich bei entsprechender Werbung Spender und Sponsoren finden lassen, die helfen, die Einrichtung dauerhaft zu sichern.

2013 war davon die Rede, dass eine Lösung für das Tierheim bis Ende 2014 gefunden werden soll. Es bleibt nun abzuwarten, wie die Empfänger des Schreibens auf den neuen Vorschlag reagieren. Dann liegt der Ball im Feld der kommunalen Entscheidungsgremien. (jh)

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