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Dreieich

„Götzenhain erhalten und gestalten“, das möchten nicht nur die Akteure einer vor zwei Jahren aus der Taufe gehobenen Arbeitsgemeinschaft um den vielseitig engagierten Matthias Engler. Unter den Dächern des Dreieicher Stadtteils machen sich seit einigen Monaten auch die Mitglieder des von Hans Westenberger und Gabriele Brandner geführten Bürgervereins Gedanken um die Zukunft. Beide Gruppen arbeiten Hand in Hand. (DZ-Foto: p)
Dreieich (DZ) – Hans Westenberger ist um einen realistischen Blick bemüht. Er kennt die Chancen, ahnt die Risiken und hat doch keine Furcht vor Rückschlägen. So, wie der Vorsitzende, denken in den Reihen des noch in den Kinderschuhen steckenden Bürgervereins Götzenhain viele. Es herrscht Aufbruchstimmung, aber keine Euphorie ohne Bodenhaftung: Mit diesen Worten lässt sich die Stimmung auf den Punkt bringen, die bei den regelmäßigen Treffen der Akteure herrscht. Dabei sitzen die Mitglieder des im vergangenen Sommer aus der Stadtteil-AG „Götzenhain erhalten und gestalten“ hervorgegangenen Vereins mit den Engagierten aus der Arbeitsgemeinschaft an einem Tisch. Es gibt personelle und inhaltliche Überschneidungen. Und es gibt ein gemeinsames Ziel: Der gesellschaftliche Wandel, geprägt von der sich verändernden Altersstruktur, soll aktiv begleitet und trotz aller Problemstellungen in positive Bahnen gelenkt werden. Beim jüngsten Treffen von Verein und AG, das Mitte Januar im Bürgertreff an der Langener Straße stattfand, wurde die Vielfalt der Ideen deutlich, die die Damen und Herren um Vereinschef Wes-tenberger und Matthias Engler umtreiben. Letzterer fungiert als Sprecher der vor zwei Jahren gegründeten Stadtteil-AG, engagiert sich aber auch im Bürgerverein. Wiederholt transportierte er in dieser Doppelrolle die zentrale Botschaft: „Götzenhain ist ein lebendiger, liebenswerter Stadtteil. Doch die Experten sind sich einig: In den kommenden Jahrzehnten wird sich unsere Heimat deutlich verändern. Es geschieht sachte, dauert Jahrzehnte – hat aber drastische Folgen. Denn die Einwohner von Götzenhain werden immer älter. Und sie werden weniger.“
Handfeste Zahlen sprechen Bände. Bis zum Jahr 2020 wird der Bevölkerungsanteil der Dreieicher unter 18 Jahren um 15 Prozent sinken, in der wichtigen Gruppe der 30- bis 49-Jährigen wird gar ein Minus von 19 Prozent zu verbuchen sein. Beispiel Götzenhain: Von 2003 bis 2013 steigt in dem einst rein bäuerlich geprägten Stadtteil mit seinen rund 4.600 Einwohnern die Zahl der Menschen im Alter über 80 Jahre um satte 64 Prozent.
Dahinter, das weiß auch die im Rathaus für Götzenhain zuständige Seniorenberaterin Gabriele Buchwald, stehen Schicksale. Einkaufen, Wohnen, Freizeitgestaltung, Pflege: Auf diesen Feldern gibt es nach Überzeugung der Stadtverwaltung in den kommenden Jahren viel zu tun. Ohne das Mitwirken engagierter Bürger aber könne die öffentliche Hand die Herausforderungen nicht stemmen. Auch deshalb, so Buchwald, unterstütze die Stadt nach besten Kräften Initiativen wie jene in Götzenhain.
Vor diesem Hintergrund ist einzuordnen, woran Westenberger und seine Mitstreiter derzeit arbeiten. In der zweiten Februarhälfte wird ein elementarer Wunsch der Götzenhainer Akteure in Erfüllung gehen. Sie erhalten ihre „eigenen vier Wände“. Wie berichtet, wird dem Verein (und mit diesem der AG) der bisher von der Stadtbücherei genutzte Raum im Erdgeschoss des Bürgertreffs zur Verfügung gestellt. Auf Grundlage eines Magistratsbeschlusses darf das Zimmer nach dem Umzug des Lesetempels unter das Dach der Karl-Nahrgang-Schule (Eröffnung: 17. Februar) ein Jahr lang unentgeltlich genutzt werden. Lediglich um die Energiekosten (rund 70 Euro im Monat) müssen sich die Mieter kümmern.
Nun geht es darum, den Raum mit Leben und mit den nötigen Ausrüstungsgegenständen und Möbeln zu füllen. Tische, Stühle, ein Computer, ein Telefon: Damit der Bürgerverein sein Domizil erhält, wird nach Angaben von Westenbergers Stellvertreterin Gabriele Brandner vieles benötigt. Einige Sachspendern (etwa aus der Begegnungsstätte Winkelsmühle des Diakonischen Werkes in Dreieichenhain) sind in Aussicht gestellt, um anderes wird noch gerungen.
Bis Jahresende, so Engler, möchte die Gruppe ein Konzept vorlegen, wie der Bürgertreff (ein aus dem Jahr 1902 stammendes Backsteingebäude, in dem ehemals Schule und Gemeindeverwaltung untergebracht waren) ab 2013 genutzt werden kann. Jedoch: Der Verkauf der zum Bestand der „Bürgerhäuser Dreieich“ gehörenden städtischen Immobilie ist eine von der Unternehmensberatung Kienbaum angeregte Maßnahmen zur Sanierung des Dreieicher Etats (Stichwort „Schuldenbremse“). Einem solchen Verkauf stehen Bürgerverein und Stadtteil-AG ablehnend gegenüber; der genannte Magistratsbeschluss schafft Zeit für die Suche nach Alternativen.
Die Gruppe werde zwar von Verwaltung von Politik unterstützt, sie sei aber eine unabhängige Initiative, die von Bürgern getragen werde, unterstreicht Holger Dechert. Er ist auch in der evangelischen Kirchengemeinde und in der Kommunalpolitik aktiv, kennt den vor Ort herrschenden Bedarf an öffentlichen Treffpunkten nur zu gut. Daher setzt auch er sich dafür ein, dass die künftige Vereinszentrale gegen kleine Miete („eine Einnahmequelle“) Dritten zur Verfügung gestellt wird, sofern er für Verein und AG nicht benötigt werde. Auch hier gibt es bereits konkrete Ideen. Lesecafé ,VdK-Beratung, Demenz-Gruppe, Pflege-Beratung: So lauten die Stichworte des um die Zuerkennung der „Gemeinnützigkeit“ bemühten Vereins.
Der konnte sich bei einer Fahrt nach Rodenbach (Main-Kinzig-Kreis) ein Bild machen, wie mit Unterstützung des Landes Hessen dort ein Bürgerverein die Ärmel hochkrempelte. „Dieser Besuch hat uns Mut gemacht“, sagt Gabriele Brandner, auch wenn sie weiß, dass die finanzielle öffentliche Förderung dort für gänzlich andere Ausgangsbedingungen sorgte.
Der Bau eines Mehrgenerationen-Wohnhauses an der Frühlingsstraße, die Verlagerung der Kerb zurück auf den Dalles (vor den Bürgertreff), ein Treffpunkt für Jugendliche im Bereich des Ringwäldchens, ansprechende Aufenthaltsorte unter freiem Himmel (darunter ein Generationenspielplatz am „Lachegraben“): All dies steht auf der Agenda. Aber auch für intakte Nachbarschaften und ein tragfähiges soziales Netz werben die Akteure in Götzenhain, die in den kommenden Wochen die Öffentlichkeitsarbeit deutlich ausbauen wollen. An Infoständen, bei Hausbesuchen, in anderen Vereinen und via Lokalpresse wollen Westenberger, Engler & Co. für ihre Anliegen und Projekten werben. Auch beim Dorfbrunnenfest Anfang Juni wollen sie Flagge zeigen und deutlich machen: Es gibt eine neue Kraft in Götzenhain, mit neuen Ideen und frischem Mut, auch neue Wege einzuschlagen. Jens Hühner
Eine Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen ist unter der Rufnummer (0172) 6134730 (Matthias Engler) und über die Internetseite www.goetzenhain.de möglich. Das nächste Treffen findet am 15. Februar statt. Neue Mitstreiter sind willkommen.