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Dreieich
Dreieich (DZ/jh) – Sie haben es sich nicht leicht gemacht, die Mitglieder des Grünen-Ortsverbandes, die sich in der vergangenen Woche in Sprendlingen mit der Bürgermeisterwahl 2012 beschäftigten. Am Ende einer kontroversen Debatte um das Für und Wider eines eigenen Kandidaten für den Urnengang am 16. September gab es dann aber doch eine deutliche Mehrheit für das auch von Vorstand und Fraktion empfohlene Vorgehen: Aus den eigenen Reihen werden die Dreieicher Grünen keinen Kontrahenten für den um seine Wiederwahl ringenden Amtsinhaber Dieter Zimmer (SPD) ins Rennen schicken. Mögliche Anwärter auf den Chefsessel im Rathaus, der zum 14. Februar 2013 neu zu besetzen ist, sollen am Parteiprogramm der Grünen gemessen werden. Das gilt auch für Zimmer, sofern dieser sich um aktive Unterstützung bemühen sollte. Die Marschroute der mit 24,6 Prozent gestärkt aus der Kommunalwahl 2011 hervorgegangenen Grünen vor Augen, bleibt weiterhin offen, ob es Zimmer überhaupt mit einem Mitbewerber zu tun bekommt. Mit dem Dreieicher CDU-Chef Hartmut Honka und Erstem Stadtrat Martin Martin Burlon (parteilos) gibt es bereits mehrere Absagen (die Dreieich-Zeitung berichtete). Der Hut des 2006 mit überwältigener Mehrheit gewählten Zimmer (Jahrgang 1958) liegt dagegen im Ring, auch wenn die offizielle Nominierung durch die SPD noch aussteht: „Ich möchte nun wirklich nicht auf halber Strecke die Segel streichen“, erklärte der Offenthaler der DZ. „Wenn meine Partei und vor allem die Bürger mich wollen, dann machen ich auch in diesen finanziell schwierigen Zeiten gerne weiter.“ Eben diese „schwierigen Zeiten“ waren es, die bei der Abwägung der Grünen eine zentrale Rolle spielten. Wer den Ausführungen von Vorstand (um Ingrid Schmalhorst-Behrendt und Jochen Mayer) sowie Fraktion (um Dr. Heidi Soboll und Roland Kreyscher) gefolgt war, der hatte gleich zu Beginn der Debatte das Abraten vom eigenen Bewerber zur Kenntnis nehmen können.
Die Argumente pro „Grünen-Kandidat“, die in knapp zwei Stunden zu hören waren, bezeichneten Mitglieder der beiden Gremien als bekannt. Warum sich die Spitze des Ortsverbandes trotz des „grünen“ Potenziales und des hohen Erwartungsdrucks gegen einen Kandidaten ausgesprochen hatten, brachte am deutlichsten Kreyscher auf den Punkt. Der Mann aus der Elbestraße, der seit über 25 Jahren auf Dreieichs Politikparkett agiert, betonte, es gebe „keinen echten Grund, einen Gegenkandidaten“ aufzustellen. Kreyscher sagte, die inhaltlichen Unterschiede zum Amtsinhaber seien im Verhältnis zu den finanziellen Rahmenbedingungen zu gering. Gerade das von den Grünen angeschobene Projekt „Schuldenbremse Dreieich“, dem sich sich Zimmer mit lobenswerter Akribie angenommen habe, dokumentiere den engen Gestaltungsspielraum der Hauptamtlichen vor Ort. Auf der anderen Seite komme der rührigen Grüne/BI-Fraktion angesichts der offenen Mehrheiten eine wichtige Rolle im Wettstreit der Ideen zu: „Hier sind wir gut aufgestellt und können einiges bewegen“, so Kreyscher und Soboll unsiono. Die fehlende inhaltliche Notwendigkeit einer Kandidatur, von berechtigten „demokratietheoretischen Überlegungen“ abgesehen, macht aus Suicht Kreyschers die Frage, welcher Grüne Zimmer die Stirn bieten könnte, entbehrlich. Mit dieser Aussage, die als Verneinung eigener Ambitionen verstanden werden durfte, trat Kreyscher all jenen Mitgliedern entgegen, die fest mit der Kandidatur des „Grünen-Zugpferdes“ gerechnet hatten. Bekannt, glaubwürdig, erfahren, geschätzt: Kreyscher habe das Zeug zum Bürgermeister, so der einhellige Tenor. Und dann gab es doch leichtes Raunen: Zimmer biete bei der Wirtschaftsförderung eine offene Flanke, stelle bei der Energiepolitik und in der Stadtentwicklung (Stichwort „Heckenborn“) Weichen falsch, sei „kein Motor für neue Entwicklungen“, ein „guter Buchhalter“ aber „kein Visionär mit Gestaltungswillen“... Kurzum: Das „Nein“ zur eigenen Kandidatur dürfe nicht als Freibrief für Zimmermiss verstanden werden, so die Botschaft der Grünen-Basis. Für den Verzicht aus „pragmatischen Gründen“ stimmten 12 Anwesende, 2 votierten dagegen, 4 enthielten sich.