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Dreieich
Kreis Offenbach/Dreieich (DZ/jh) – Eine Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs und wichtige Impulse für die Wirtschaft in der Region: Dies sind nach Überzeugung der Verwaltungsspitzen von Neu-Isenburg, Rödermark und Dreieich die beiden Seiten einer Medaille, die in den kommenden Jahren zum Glänzen gebracht werden soll. Geht es nach den Vorstellungen der Bürgermeister, dann werden bis Ende April alle drei Kommunalparlamente eine Resolution verabschieden, die mit eindringlichen Worten für die Realisierung des Verkehrsprojektes „Regionaltangente West (RTW)“ wirbt. Das mehrseitige Papier, das bereits den Segen der Magistrate erhalten hat, wurde dieser Tage von den Verwaltungschefs Roland Kern (Rödermark), Dieter Zimmer (Dreieich) und Herbert Hunkel (Neu-Isenburg) im Rathaus Sprendlingen vorgestellt.Dabei unterstrichen auch die beiden Ersten Stadträte Martin Burlon (Dreieich) und Stefan Schmitt (Neu-Isenburg) die Bedeutung des geplanten Schienenstranges, der ab dem Jahr 2018 von Bad Homburg über den Flughafen Frankfurt und Neu-Isenburg bis an den Buchschlager Bahnhof führen und dort mit der Dreieichbahn (über Rödermark) bis nach Dieburg verknüpft werden könnte. Dies setzt einen Baubeginn spätestens im Jahr 2014 voraus, doch die Finanzierung ist noch unklar. Anders als die vorhandenen S-Bahn-Linien des sternförmigen RMV-Netzes soll die RTW nicht direkt durch Frankfurt führen, sondern die Stadt im Westen umfahren. Nach den Planungen des RMV und seines Ablegers, der 2008 gegründeten RTW-Planungsgesellschaft mbH mit Sitz in Frankfurt, soll die Strecke am Bahnhof Buchschlag auf der Ostseite der Gleisanlagen mit der Dreieichbahn verknüpft werden. Sie verbindet den Kreis Offenbach mit dem Regionalbahnhof am Flughafen und wird von dort über Höchst in Richtung Nordwestzentrum beziehungsweise Bad Homburg geführt.
Zu den Gründern der RTW-Planungsgesellschaft und damit zu den Motoren gehören neben Bad Homburg und Frankfurt, dem Hochtaunus- und dem Main-Taunus-Kreis auch der RMV und der Kreis Offenbach. Deren Botschaft lautete bisher: „Das Netz des Schienennahverkehrs in der Region Frankfurt/Rhein-Main kann damit grundlegend erweitert werden.“ Das Bedienungskonzept sieht zwei Linien vor, die im 30-Minuten-Takt verkehren. Die Linie von Buchschlag gen Norden wird 38 beziehungsweise 33 Kilometer lang sein, je nach Endstation.
Seinen aktuellen Vorstoß in Sachen RTW begründete das Bürgermeister-Trio aus dem Kreis Offenbach vor Pressevertretern mit dem Willen, das Projekt durch ein unmissverständliches Signal an die anderen Projektbeteiligten zu beflügeln. In den drei Kommunen leben zusammen über 100.000 Einwohner, dieses Gewicht wollen Hunkel, Zimmer und Kern auf die Waagschale werfen. „Wir waren noch nie so nah dran an der Realisierung“, ergänzte auch Schmitt. „Jetzt geht es darum, von der Planung zur Umsetzung überzugehen.“ Kerns Botschaft: „Es darf keine weißen Flecken in der verkehrlichen Erschließung der Region geben. Deshalb muss die Planung auch gleich mit Nägeln und Köpfen erfolgen.“
Voraussetzungen dafür seien eine Folgeregelung für die bis Ende 2012 befristete Planungsgesellschaft sowie die Klärung der Finanzierung. Die Kosten für den Bau der RTW werden gegenwärtig auf rund 330 Millionen Euro geschätzt. Nach Abzug des Löwenanteils, den Bund und Land steuern sollen, verblieben rund 100 Millionen Euro für die Projektbeteiligten in der Region. Der RMV prognostiziert jährlich Betriebskosten in der Höhe von 20 Millionen Euro und geht von rund 45.000 Fahrgästen am Tag (darunter 15.000 Umsteiger vom Auto in die S-Bahn) aus – von denen 80 Prozent in Frankfurt ein- oder aussteigen.
Abseits der monetären Aspekte und dem positiven Effekt aus ökologischer Sicht (weniger Emissionen, Steigerung der Lebensqualität) müssen nach Überzeugung der Bürgermeister insbesondere folgende Punkte beachtet werden: „Die Anbindung des Flughafen Frankfurts wird sich für die Kommunen deutlich verbessern, dies stärkt die Attraktivität der Städte als Wirtschaftsstandorte. Bereits heute ist in vielen Investorengesprächen der schon lange geplante Bau der RTW ein wichtiges und standortrelevantes Argument.“
Die Resolution wird nach der abschließenden Beratung in den städtischen Gremien an das Land Hessen, den RMV, den Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main, die RTW-Planer sowie an alle anderen betroffenen Städte und Landkreise gesandt. Insbesondere von der Stadt Frankfurt am Main erhoffe man sich eine aktive Unterstützung, so Hunkel abschließend.