- Home | Politik | Wirtschaft | Sport | Gesellschaft | Kultur | Vereine | Leserbriefe
Dreieich
ANITA LASKER-WALLFISCH gehört zu den letzten noch lebenden Musikerinnen des Mädchenorchesters von Auschwitz. Das Cello, das sie damals spielte, rettete ihr vermutlich das Leben. Wenige Tage nach einem Auftritt in der Sonntagabend-Talkshow „Günter Jauch“ war die 86-jährige Zeitzeugin auf Einladung der Strothoff International School in der vergangenen Woche in Dreieich zu Gast. Die aus London angereiste Dame stand im Gespräch mit Schülern Rede und Antwort, berichtete von ihren Erlebnissen in den Konzentrationslagern Bergen-Belsen und Auschwitz und skizzierte ihren Lebensweg sowie die emotionale Aufarbeitung in den Jahren nach 1945. Neben Heranwachsenden, die die englischsprachige Privatschule im Sprendlinger Norden besuchen, nahmen auch Schüler der Dreieicher Weibelfeldschule und geladene Gäste an der Gesprächsrunde teil. Die beiden Bildungseinrichtungen kooperierten in dieser Form zum ersten Mal, weitere gemeinsame Projekte sollen folgen. „Die meisten von uns kennen die Zeit des Nationalsozialismus’ nur aus den Geschichtsbüchern“, sagte Andreas Koini, der Leiter der Strothoff-Schule. „Und die Gelegenheit, mit Zeitzeugen über das Dritte Reich zu sprechen, ergibt sich rund 70 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges nur noch selten.“ Dabei sei es ausgesprochen wichtig, die junge Generation mit den wenigen, noch lebenden Zeitzeugen „dieses schrecklichsten Kapitels der deutschen Geschichte“ in Kontakt zu bringen. Die Schüler der 11. Klasse setzen sich in der Unterrichtseinheit „Literatur – Critical Studies“ mit den Themen „Nationalsozialismus“ und „Holocaust“ auseinander. Marion Boos, Deutschlehrerin an der SIS, zeigte sich überzeugt, dass Jugendliche trotz der Behandlung von Texten, Kunst, Filmen und Büchern das wahre Ausmaß und die wahre Bedeutung des Holocaust am besten durch Zeitzeugen und den direkten Austausch mit diesen erfahren. Seit sie im September via Zeitung vom Schicksal Anita Lasker-Wallfischs erfuhr, bemühte sich die Pädagogin intensiv um die Kontaktaufnahme. „Wir als Schule möchten dazu beitragen, dass nicht vergessen wird was geschehen ist, sondern dass wir alle daraus lernen“, so die Botschaft des Kollegiums um Andreas Koini. (jh/DZ-Foto: Jordan)