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Egelsbach
Egelsbach (DZ/hs) – Beim Absturz eines im Anflug auf den Egelsbacher Flugplatz befindlichen zweistrahligen Geschäftsflugzeuges vom Typ Cessna 750 Citation X sind am vorigen Donnerstag alle fünf Insassen ums Leben gekommen. Das Unglück ereignete sich in genau demselben Bereich des Koberstädter Waldes – östlich der Egelsbacher Auffahrt zur A 661, in Höhe der Speierhügelschneise und in der Nähe des Weißen Tempels –, in dem schon im Dezember 2009 ein Privatjet abgestürzt war und drei Menschen in den Tod gerissen hatte. Ob dies die einzige furchtbare Duplizität der Ereignisse ist oder es auch hinsichtlich der Unglücksursache Parallelen gibt, müssen die weiteren Ermittlungen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ergeben.Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatte die im österreichischen Linz gestartete Cessna kurz vor 19 Uhr beim Anflug auf den örtlichen Mini-Airport etwa vier Kilometer vor der Landebahn die Bäume gestreift. „Dann ist die Maschine am Boden zerschellt, explodiert und in Flammen aufgegangen“, berichtet Josef Michael Rösch. Und so bot sich dem zur Unglücksstelle geeilten Großaufgebot der Rettungskräfte nach Angaben des Polizeisprechers vor Ort „ein Bild des Grauens“.
Angesichts der enormen Wucht des Aufpralls und der verheerenden Auswirkungen der Explosion auf die Insassen des Flugzeugs wird auch verständlich, warum es Rösch zufolge nur „erste Erkenntnisse, aber keine hundertprozentige Sicherheit darüber gibt, wer die Opfer sein könnten“. Nach der Obduktion stehe zwar laut der Staatsanwaltschaft fest, dass es sich bei den Toten um drei Männer und zwei Frauen handele. „Aber erst eine genaue Untersuchung der DNA wird die Identität der ums Leben gekommenen Menschen zweifelsfrei belegen“, sagte der Polizeisprecher auf Anfrage der Dreieich-Zeitung.
Nur Spekulationen gibt es bislang auch über die Ursache für den Absturz des Düsenjets, der mit einem Gewicht von 16 Tonnen bis zu zwölf Passagiere transportieren kann und zu den größten Flugzeugen zählt, die den Egelsbacher Flugplatz ansteuern dürfen. So soll sich der Pilot Sekunden vor dem Unglück bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) abgemeldet und von Instrumentenflug auf Sichtflug umgestellt haben. Ob er dann in eine Nebelbank gerast und möglicherweise die Orientierung verloren hat – das müssen die Ermittler der BFU klären.
Die Experten der Braunschweiger Behörde, die zeitgleich mit den Bergungsarbeiten die Ursachenforschung an der weiträumig abgesperrten Absturzstelle aufgenommen hatten, konnten relativ schnell den Flugschreiber und die sogenannte „Black Box“ zur Aufzeichnung der Gespräche im Cockpit und weiterer Geräusche sicherstellen. Beide werden nun ausgewertet und sollen – wie auch die Ergebnisse der Untersuchungen von Unfallstelle und Wrack – Hinweise geben, warum das Geschäftsflugzeug abgestürzt ist. Mit ersten Ergebnissen sei in sechs bis acht Wochen zu rechnen, so Rösch, der Abschlussbericht werde in etwa einem Jahr vorliegen.
So lange wollen die Egelsbacher Grünen und auch die örtliche Fluglärm-Abwehrgemeinschaft („Flag-E“) indes nicht warten. So fordern schnellere Konsequenzen aus dem nun schon dritten tödlich verlaufenen Flugzeug-Unglück innerhalb der letzten zweieinviertel Jahre. (Neben dem Absturz vom Dezember 2009 gab’s im Juni 2010 einen weiteren in der Nähe des Flugplatzes, bei dem ein Mensch getötet worden war.)
Schließlich zeige das aktuelle Unglück nach Meinung von Günther de las Heras mit Blick auf die Größe der Maschine „eine völlig neue Risiko-Qualität“. Eine solche Cessna verfüge nämlich über ein Treibstoff-Fassungsvermögen von über sechs Tonnen, weshalb sich der „Flag-E“-Vorsitzende gar nicht vorstellen mag, was passiert wäre, wenn der Jet nur 1.400 Meter weiter westlich in das Egelsbacher Gewerbegebiet mit seinen zahlreichen Großmärkten gestürzt wäre.
Bemerkenswert findet de las Heras in diesem Zusammenhang, dass Maschinen dieser Größenordnung aus der Flotte des Flugplatz-Mehrheitsgesellschafters „NetJets“ den größten deutschen Privatflugplatz gar nicht ansteuern dürften. „Die starten und landen fast ausschließlich auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen, wo Hindernisfreiheit gegeben ist und sicher per Instrumentenlandesystem (ILS) geflogen wird“, fordert der „Flag-E“-Frontmann daher „im Interesse der Sicherheit“, dass der örtliche Mini-Airport künftig für Flugzeuge über 5,7 Tonnen tabu ist. „Solche Kerosinbomben gehören nicht auf einen kleinen Flugplatz mitten in dicht besiedeltem Gebiet.“
Ähnlich sehen es die Egelsbacher Grünen, die deshalb den Gemeindevorstand aufgefordert haben, beim Regierungspräsidium darauf zu drängen, dass bis zur genauen Klärung der Absturzursache alle Flugbewegungen mit Flugzeugen über 5,7 Tonnen in Egelsbach untersagt und zum „großen Bruder“ nach Frankfurt verlagert werden. Zudem sollten die Betriebszeiten wie in der Vergangenheit nur bis Sonnenuntergang gelten. Doch nachdem der Gemeindevorstand diesen Vorstoß in seiner Sitzung am Dienstag mehrheitlich abgelehnt hat, will die Öko-Partei nun eine Sondersitzung des Parlaments zu diesem Thema noch vor Ostern einberufen.