- Home | Politik | Wirtschaft | Sport | Gesellschaft | Kultur | Vereine | Leserbriefe
Egelsbach
Langen (DZ/hs) – Die Zeiten, in denen Fußball eine reine Männerdomäne war, sind längst vorbei. Auch viele Frauen und vor allem immer mehr Mädchen haben ein Faible fürs Kicken und stehen in punkto Leidenschaft fürs Bolzen ihren männlichen Altersgenossen in nichts nach. Diese Entwicklung ist den Verantwortlichen der Sonnenblumenschule nicht verborgen geblieben, und deshalb nutzen sie schon seit Jahren die vom Umgang mit der Pille ausgehende Faszination, um die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund zu beschleunigen – mit einem kostenfreien Fußballangebot für Mädchen.Dieses wurde nach Angaben von Dominique Franzke auf die Beine gestellt, „weil uns klar ist, dass schon die Schulen den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung tragen müssen“. Die Rektorin der Grundschule im Nordend spielt mit dieser Aussage darauf an, dass einerseits der Anteil ausländischer Kinder immer größer wird, es sich aber andererseits auch immer mehr deutsche Familien aus finanziellen Gründen nicht leisten können, ihre Kinder am (Fußball-)Training von Vereinen teilnehmen zu lassen.
Vor diesem Hintergrund haben Franzke und die als Trainerin der Mädchenfußball-AG fungierende Schulsekretärin Karin Krenn-Herrmann gemeinsam mit dem Förderverein ein Konzept entwickelt, das im Laufe der Zeit – und dank der Unterstützung durch die jeweiligen Klassenlehrerinnen – zu einem echten Erfolgsmodell wurde. Inzwischen nehmen nämlich über 30 Mädchen an dem Training teil. „Das ist immerhin ein Drittel der weiblichen ,Sonnenblümchen’, und es werden monatlich mehr“, freut sich Krenn-Herrmann über die tolle Resonanz der Offerte.
Die allerdings nicht von ungefähr kommt. Schließlich seien die aus der Mädchenfußball-AG resultierenden Vorteile offensichtlich und würden nicht zuletzt von den Eltern geschätzt, verweist die Trainerin auf „eine sinnvolle Struktur am Nachmittag, ein Angebot für Freizeitverhalten, das nicht durch elektronische Medien gesteuert ist, sowie Förderung von Eigenschaften wie Teambildung, Konfliktfähigkeit, Ausdauer, Integration und Durchsetzungsvermögen“.
Mit diesem beispielhaften Konzept hat sich die Sonnenblumenschule im Übrigen am Integrationswettbewerb 2011 des Deutschen Fußball-Bundes beteiligt – und gehörte letztendlich unter 176 Teilnehmern zu den zehn besten Bewerbern in ganz Deutschland. Das ist zwar aller Ehren wert, bringt aber nicht den erhofften Geldpreis. „Wir hätten angesichts des Ansturms auf die Mädchenfußball-AG und des deshalb immer größer werdenden finanziellen Aufwands eine Finanzspritze für die Fortführung des kostenfreien Angebots wirklich gut gebrauchen können“, seufzt Krenn-Herrmann. Aber im gleichen Atemzug tröstet sich die unermüdliche Trainerin mit dem Gedanken, „dass unser Engagement für die Kinder im Langener Nordend vielleicht noch nicht prämiert, aber nun doch anerkannt ist“.
Weil es mit einem Zuschuss des DFB also leider nichts wurde und auch die Mittel des großzügigen Fördervereins nicht zur Realisierung aller Wünsche ausreichen, wollen die fußball-affinen Damen von der Sonnenblumenschule nun die Suche nach Sponsoren für Trikots, Fußballschuhe oder Bälle intensivieren. Zudem steht eine zeitliche und räumliche Ausweitung des Trainingsbetriebs auf ihrer Wunschliste ganz oben. „Das würde uns die Möglichkeit bieten, mehr Mädchen in erweiterten Altersklassen am Fußballtraining teilhaben zu lassen“, weist Krenn-Herrmann darauf hin, dass sich ihre Mädels aktuell das Sportzentrum Nord während des eineinhalbstündigen Trainings mit einer anderen Gruppe teilen müssen.
Doch trotz dieser vergleichsweise bescheidenen Rahmenbedingungen lässt sich die Initiatorin der Mädchenfußball-AG den Spaß an diesem Mix aus Integrations-, Stadtteil- und Mädchenarbeit nicht nehmen. Und insofern bleiben die Mädchen der Sonnenblumenschule bei diesem Projekt auf jeden Fall auf der Gewinnerseite.