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Egelsbach
Egelsbach (DZ/hs) – Nach einwöchiger Bedenkzeit hat sich am Mittwoch auch der örtliche Gemeindevorstand dafür entschieden, die Egelsbacher Anteile an der Hessischen Flugplatz GmbH (HFG) an die Firma „NetJets“ zu verkaufen. Nachdem zuvor schon die übrigen vier Anteilseigner (Beteiligungsgesellschaft des Kreises Offenbach, Stadtwerke Langen und Offenbach sowie Stadt Langen) grünes Licht für diesen Deal gegeben hatten, könnte der zum Imperium des US-Milliardärs Warren Buffett zählende Geschäftsfliegerei-Konzern in absehbarer Zeit am Mini-Airport an die Steuerknüppel gelangen. Vorausgesetzt die Gremien der Gesellschafter verweigern der Übereinkunft nicht nachträglich ihre Zustimmung. Zudem droht der Veräußerung, die das einhellige Votum aller Gesellschafter bedarf, noch aus einer ganz anderen Ecke Gefahr: Die „Fluglärm-Abwehrgemeinschaft Egelsbach („FLAG-E“) hat ein Bürgerbegehren eingeleitet, um den Einstieg von „NetJets“ zu verhindern.Das lässt die Verantwortlichen der HFG indes (vorerst) völlig kalt. Sie gaben am Mittwoch via Pressemitteilung ihrer Freude darüber Ausdruck, dass mit dem positiven Votum des Egelsbacher Vertreters in der Gesellschafterversammlung eine „Vorentscheidung für den Flugplatz-Verkauf gefallen ist“. Erhält der Vertrag tatsächlich den Segen aller Gremien der Gesellschafter – das Egelsbacher Parlament, wo die knappste Entscheidung erwartet wird, tagt am 5. März –, muss „NetJets“ 3,75 Millionen Euro anteilig an die bisherigen Gesellschafter überweisen. Zudem würde der Inves-tor alle Darlehensverbindlichkeiten der HFG sowie anstehende Sanierungsaufwendungen in Millionenhöhe übernehmen und die Verkäufer von laufenden Betriebsverlusten freistellen.
Was aber gab den Ausschlag für den Egelsbacher Gemeindevorstand, seine Bedenken bezüglich eines Verkaufs über Bord zu werfen? „Bei einem Gespräch am letzten Freitag hat sich ‚NetJets’ sehr gut präsentiert und uns die vorhandenen Ängste genommen“, lautet die Begründung von Bürgermeister Rudi Moritz für die von Kritikern des beabsichtigten Deals als „Umfallen“ bezeichnete Entscheidung. So habe sich der eigener Aussage zufolge „mit derzeit 164 Flugzeugen großte europaische Betreiber von Business-Jets“ unter anderem dazu verpflichtet, auch in Zukunft keinen planmäßigen Linien- und Charterflugverkehr zuzulassen, die bisherigen Betriebszeiten von 7 bis 21 Uhr sowie die geltende Begrenzung auf 100.000 Flugbewegungen im Jahr beizubehalten.
All dies sowie weitere spezielle Egelsbacher Belange zum Flugverkehr oder zur Lärmbelastung würden laut Moritz in einem separaten Vertrag zwischen der Gemeinde und „NetJets“ festgeschrieben. Obendrein solle, wie der HFG-Pressemitteilung zu entnehmen ist, ein Beirat mit den Bürgermeistern aus Egelsbach, Erzhausen und Langen sowie einem Vertreter des Kreises Offenbach ins Leben gerufen werden. Er werde die Einhaltung des Flugplatz-Entwicklungsplans überwachen.
Keinen Verhandlungsspielraum habe es nach Angaben des Egelsbacher Bürgermeisters hingegen in Bezug auf die mit der Rodung von 3,5 Hektar Wald einhergehende Verlängerung der Start- und Landebahn „um bis zu 300 Meter nach Westen“ (so steht es in der Pressemitteilung, obwohl bislang immer „nur“ von 270 Metern die Rede war) gegeben. Das sei eine Voraussetzung, um ein zu mehr Sicherheit beitragendes und an anderen Flugplätzen längst zum Standard gehörendes instrumentengestütztes An- und Abflugverfahren einführen zu können, habe man ihm erklärt, so Moritz. Dafür müsse zwar der Hegbach, die Straße nach Erzhausen und die Tierherberge verlegt werden, doch der Erzhäuser Hegberghalle drohe kein Ungemach.
Interessant ist übrigens, welche Auswirkungen der Einstieg von „NetJets“ – das Unternehmen will dem Vernehmen nach bis 2015 rund 40 Millionen Euro in Egelsbach investieren – auf den Arbeitsmarkt hätte. Während die HFG in ihrer Pressemitteilung vollmundig verkündet, dass „kurz- bis mittelfristig etwa 550 neue Jobs entstehen werden“, geht Rudi Moritz von einer weitaus geringeren Zahl aus: „Durch die Verlagerung des Deutschland-Sitzes von München nach Egelsbach entstehen bei uns etwa 35 Arbeitsplätze.“ Allerdings beabsichtige „NetJets“ zudem die Errichtung eines Wartungsbetriebes am größten deutschen Verkehrslandeplatz, der jährlich rund 80.000 Starts und Landungen verzeichnet.
Das bestätigte Scott Forbes in einem Gespräch mit der Dreieich-Zeitung. Der Europa-Direktor von „NetJets“ ging dabei davon aus, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre etwa 60 Arbeitsplätze am Mini-Airport geschaffen werden könnten. „In der Regel zieht ein Job am Flugplatz aber weitere fünf bis sieben im Umfeld nach sich“, so Forbes, der auch bestätigte, dass „wir überhaupt kein Interesse daran haben, hier Linienverkehr zu etabliern.
Seinem Unternehmen gehe es vielmehr darum, im Rhein-Main-Gebiet („Eine der Top-Regionen in Europa“) einen verlässlichen Standort zu bekommen. „Auf dem Frankfurter Flughafen gibt’s kaum Slots für die von uns eingesetzten kleineren Jets, deshalb ist der Egelsbacher Flugplatz für uns und unsere Kunden ideal“, erklärte Forbes. Außerdem verspreche sich „NetJets“ von der Übernahme des „Größten unter den deutschen Kleinen“ auch positive Auswirkungen auf sein Geschäftsmodell des Flugzeugteileigentums (siehe Info-Kasten auf Seite 5).
Diese beiden Gründe wögen denn auch schwerer als die Erkenntnis, „dass dieser Flugplatz nie besonders profitabel sein wird“, so Forbes, der in diesem Zusammenhang deutlich machte, dass es bei der beabsichtigten Verlängerung nicht darum gehe, möglichst viele größere Maschinen – bei einem Ausbau soll ja auch das zulässige Maximalgewicht von 20 auf 25 Tonnen erhöht werden – anzulocken: „Wir legen einfach Wert auf hohe Sicherheitsstandards, und ohne die längere Piste könnte eben das instrumentengestützte An- und Abflugverfahren nicht zum Einsatz kommen.“ Schließlich suchte Forbes die Bedenken vieler Bewohner aus den Flugplatz-Anrainerkommunen in Bezug auf den Einstieg „NetJets“ mit dem Hinweis auszuräumen, „dass wir zu unseren Verträgen stehen“.
Derlei Beschwichtigungsversuchen schenkt Günther de las Heras indes keinen Glauben. „Die Schutzrechte der Bürger sind nicht rechtlich verbindlich festgelegt, sondern nur Bestandteil einer gegenseitigen Absichtserklärung zwischen ‚NetJets’ und der Gemeinde“, behauptet der Sprecher von „FLAG-E“. Genau deshalb hat die BI ein Bürgerbegehren angestoßen, mit dem sie den Verkauf der Egelsbacher Anteile noch stoppen will.
Hierfür müssen bis Anfang März mindes-tens 736 Unterschriften gesammelt werden (das entspricht zehn Prozent der Wahlberechtigten bei der letzten Kommunalwahl). Ist diese Hürde übersprungen, entscheidet das Parlament über die Zulässigkeit des Ansinnens, und dann könnte ein Bürgerentscheid folgen. Wenn bei diesem das Ansinnen von „FLAG-E“ eine Mehrheit findet und zudem mindestens ein Viertel aller Wahlberechtigten seine Stimme abgegeben hat, wäre der angedachte Verkauf der Anteile hinfällig.