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Egelsbach
BALLFIXIERT waren alle Teilnehmer an der Schul-Hessenmeisterschaft im Rollstuhl-Basketball, doch am treffsichersten agierte wie schon in den beiden Vorjahren die 1. Mannschaft der Erich-Kästner-Schule (dunkle Trikots), die nicht nur ihre zweite Vertretung (gelbe Leibchen) mit 14:0 schlug, sondern auch erneut den Titel erringen konnte. (DZ-Foto: Jordan)
Langen (DZ/hs) – Wenn sich Pennäler eines Gymnasiums mit den Zöglingen einer Schule für Körperbehinderte einen sportlichen Wettkampf liefern, haben Letztere normalerweise nicht den Hauch einer Chance. Mitunter aber schon. Beispielsweise wenn es sich bei der betreffenden Sportart um Rollstuhl-Basketball handelt. Dann finden sich die „Fußgänger“ nämlich sehr schnell in der Außenseiterrolle wieder und können den gehandicapten Gegnern nur mit viel Mühe Paroli bieten. Dies ließ sich bestens bei der jüngst im Sportzentrum Nord über die Bühne gegangenen offenen Hessenmeisterschaft für Schulen im Rollstuhl-Basketball beobachten, die von der Langener Erich-Kästner-Schule (EKS) ausgerichtet worden, mit elf Teams aus acht Städten bestückt war und an der auch – außer Konkurrenz – ein Team der Dreieichschule (DSL) teilgenommen hatte.Hintergrund dieser ungewöhnlichen Konstellation: Zwischen den beiden Lehranstalten existiert seit drei Jahren eine Kooperation in Sachen Rollstuhlsport. „Unsere Schüler, die sich für den entsprechenden Wahlpflichtkurs entschieden haben, trainieren dabei alle 14 Tage für zwei Stunden im Rollstuhl gemeinsam mit ihren behinderten Altersgenossen von der Erich-Kästner-Schule“, erläutert Steffen Brockmann.
Der an der DSL tätige Sportlehrer, der auch als Trainer der Erstliga-Basketballerinnen der Rhein-Main Baskets fungiert, ist am Langener Gymnasium für dieses beispielhafte Projekt verantwortlich und voll des Lobes über diesen integrativen Ansatz: „Der gemeinsame Unterricht erweitert den Horizont unserer Schüler und hilft ihnen auch dabei, die Scheu vor dem Umgang mit behinderten Kindern abzubauen.“
Zudem hätten die DSL-Pennäler sehr schnell erkannt, dass sie – obwohl allesamt beim „Giraffen-Nachwuchs“ des TV Langen aktiv – diverse Defizite gegenüber den EKS-Eleven aufwiesen. „Das Werfen ist total schwierig, weil man die Kraft nicht aus den Beinen holen kann, sondern alles aus Armen und Oberkörper kommen muss“, betont Pedro Martin. Und noch schwieriger sei ihm anfangs der Umgang mit dem Rollstuhl gefallen, dessen temporäre Nutzung für den jungen Mann und seine nicht behinderten Mitschüler motorisch eine völlig neue Herausforderung dargestellt hatte.
Mittlerweile allerdings beherrschen sie diese Sportgeräte, die hinten über ein kleines Stützrad verfügen (damit die Sportler beim Werfen nicht nach hinten kippen) und dank schräger Räder extrem wendig sind, (fast) so gut wie die behinderten jungen Korbjäger. Und entsprechend robust und ohne Rücksicht geht es in den Duellen gegeneinander auch zur Sache. Immer wieder krachen die Rollstühle ineinander, wenn sich die Akteure blocken und versuchen, ihrem Gegenspieler den Ball abzujagen.
Das gelingt der 1. Mannschaft der Kästner-Schule, die bei dem in einer A- und einer Einsteiger-Gruppe (für noch nicht ganz so versierte Rollstuhl-Basketballer) ausgetragenen Turnier noch zwei weitere Teams gemeldet hatte, im Spiel der Vorrunde zwar ein wenig besser als ihren Kooperationspartnern vom Dreieich-Gymnasium. Doch schaffen die dank einiger schöner Pass-Stafetten im Endspurt noch den 8:8-Ausgleich. Ein Ergebnis, dass bei der ambitionierten EKS-Auswahl, die als Titelverteidiger bei der Hessenmeisterschaft angetreten war und sich mit einem weiteren Triumph auf Landesebene für das Bundesfinale von „Jugend trainiert für Paralympics“ qualifizieren wollte, kurzfristig für Ernüchterung sorgt.
Doch dieses Remis sollte für das erfolgsverwöhnte Team, das in den vergangenen beiden Jahren jeweils die deutsche Meisterschaft bei den erwähnten „Schul-Paralympics“ erringen konnte, der einzige Kratzer im Lack bleiben. Im Finale behalten sie nämlich mit 14:8 die Oberhand über die Dreieichschüler und können damit im Mai in Kienbaum bei Berlin den Titel-Hattrick auf Bundesebene perfekt machen.
Der abermalige Erfolg bei der Hessenmeisterschaft macht Bernhard Knopp, Physiotherapeut und Teambetreuer an der EKS, logischerweise mächtig stolz: „Früher waren wir nicht konkurrenzfähig, weil wir keine richtigen Wettkampf-Rollstühle hatten.“ Doch nachdem Sponsoren die Anschaffung von sechs der hochwertigen Sportgeräte ermöglicht hatten, begann der beeindruckende Siegeszug seiner Zöglinge. Und weil diese an der Langener Schule für Körperbehinderte mittlerweile viele Nachahmer gefunden haben, würde sich Knopp noch mehr als über die Hessenmeisterschaft über weitere Finanzspritzen wohlgesonnener Geldgeber freuen. Denn Erfolge in diesem Sport sind Gold wert für das ansonsten eher spärlich ausgeprägte Selbstbewusstsein der gehandicapten Kinder.