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Erzhausen
Langen (DZ/hs) – Jahrelang lautete das Credo des Magistrats: Kein Stadtgarten auf dem alten SSG-Platz. Doch weil das auf dem Areal an der Zimmerstraße favorisierte Altenwohnprojekt oder Pflegeheim nicht mehr realisierbar erscheint, hat sich die Stadtregierung von dieser Losung verabschiedet. Nun soll knapp die Hälfte des rund 10.000 Quadratmeter großes Geländes vorerst in eine „gepflegte Wiese“ (als Vorläufer eines Stadtgartens) verwandelt und die restliche Fläche mit einer neuen Kindertagesstätte – eventuell ergänzt um zusätzliche Räume für den Förderverein der benachbarten Ludwig-Erk-Schule – bebaut werden. Diese soll als Ersatz für die gegenüberliegende Kita Zimmerstraße fungieren, da Letztere nach Angaben von Bürgermeister Frieder Gebhardt „dringend sanierungsbedürftig ist“, eine Instandsetzung aber in keinem Verhältnis zu einem Neubau im Passivhausstandard und mit einem maßgeschneiderten Raumangebot stünde.Die bestehende Einrichtung an der Zimmerstraße – die älteste städtische Kita – hat nämlich schon 55 Jahre auf dem Buckel und pfeift von der Bausubstanz her aus dem letzten Loch. „Die Kita müsste vom Dach bis zum Keller grundlegend erneuert werden, denn sie ist undicht, schlecht gedämmt und hat Risse in der Fassade“, führt dies nach Angaben von Marita Scheer-Schneider dazu, „dass ständig Wasser eintritt und die Wände durchfeuchtet sind. Darüber hinaus werde laut der städtischen Fachbereichsleiterin „buchstäblich zum Fenster raus geheizt“, und es gebe Mängel beim Brandschutz. „Die Negativliste ließe sich beliebig fortsetzen“, betont Scheer-Schneider.
Während das Stadtparlament Ende vorigen Jahres – nach einer ersten Begutachtung des Sanierungsbedarfs der alten Kita – 715.000 Euro für dessen Abarbeitung zur Verfügung gestellt, das Geld indes mit einem Sperrvermerk versehen hatte, weil sich abzeichnete, dass ein Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist, wird nun eine ganz andere Summe genannt. „Die Sanierung, der Umzug und die Anmietung von Ersatzräumen während der Bauarbeiten würden mit etwa 1,37 Millionen Euro zu Buche schlagen“, ist das der Fachbereichsleiterin zufolge aber noch nicht alles. Denn das Gebäude müsste auch erweitert werden, um den heutigen Anforderungen gerecht zu werden. „Und dann wären wir bei gut zwei Millionen Euro“, bilanziert Scheer-Schneider.
Weil es aber selbst in diesem Fall für die dringend benötigten U3-Plätze am bisherigen Kita-Standort zu eng wäre, halten die Verantwortlichen im Rathaus den Neubau einer solchen Einrichtung auf dem ehemaligen Sportplatz für die wirtschaftlichste Lösung. Und dabei stehen zwei Varianten zur Diskussion, bei denen jeweils der bisherige Hort Zimmerstraße zugunsten von U3-Plätzen aufgelöst würde.
Die erste beinhaltet eine Kita für 90 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren, mindestens 40 Betreuungsplätze für Pennäler der Ludwig-Erk-Schule, einen Speiseraum und eine gemeinsame Küche. An besagter Lehranstalt können wegen der extrem beengten Raumsituation und trotz ständig steigendem Bedarf keine weiteren Betreuungsplätze geschaffen werden. „Sie ist zudem die einzige Langener Grundschule, die noch nie eine investive Förderung durch die Stadt erhalten hat“, macht Bürgermeister Gebhardt deutlich, der deshalb und „weil diese große Lösung deutlich mehr Sinn macht“, diese Variante bevorzugt.
Die Alternative wäre eine Kita ohne Angebote für den Förderverein. Für sie sprächen – in Zeiten leerer Kassen nicht ganz unwichtig – die geringeren Kosten. Gebhardt zufolge würde die kleinere Variante mit rund 3,3 Millionen Euro, die größere mit einer Million mehr zu Buche schlagen.
Trotz dieser stolzen Sümmchen soll das Projekt, bei dem für den Stadtgarten je nach Lösung 4.000 bis 5.000 Quadratmeter zur Verfügung stünden, ohne die Aufnahme zusätzlicher Kredite finanziert werden. Geplant ist vielmehr, die alte Kita und eine benachbarte Obdachlosenunterkunft zu verkaufen (erhoffter Erlös: eine Million Euro), zudem kalkuliert Gebhardt mit weiteren 300.000 Euro durch die Bund-Landförderung für U3-Plätze, und er will den Kreis Offenbach in die Pflicht nehmen, der laut einem Beschluss aus dem Jahre 2001 ein Drittel der Baukosten zur Verbesserung des Betreuungsangebots an Grundschulen übernimmt. Schließlich erwägt der Magistrat den Verkauf von Baugrundstücken im Nordend und des „Altstadtstübbchens“ an der Fahrgasse.
Bliebe noch die Frage, was mit dem jetzigen Standort der Kita Zimmerstraße wird. Hier könnte das ursprünglich vis-à-vis vorgesehene Altenwohnprojekt doch noch realisiert werden, hat es nach Angaben von Langens Rathaus-Chef nämlich in jüngster Zeit entsprechende Anfragen gegeben.
Mit den Plänen befassen sich die parlamentarischen Ausschüsse am 1. und 8. März sowie die Stadtverordnetenversammlung am 22. März. Alle Sitzungen beginnen jeweils um 20 Uhr im Rathaus.