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Erzhausen
EINE STAATLICHE ANERKENNUNGSPRÄMIE gibt’s seit einiger Zeit für langjährige aktive Feuerwehrleute. In den Genuss einer solchen kamen (von links) Marco Tankosic (10 Jahre mit von der Partie), Wolfgang Lindner, Christoph Jentsch (jeweils 30 Jahre) und Günter Hufnagel (40). Mit ihnen freute sich während der Jahreshauptversammlung Langens Stadtbrandinspektor Frank Stöcker. (DZ-Foto: Jordan)
Langen (DZ/hs) – So viel wie nie zuvor hatten die Einsatz-Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr im vorigen Jahr zu tun. Insgesamt mussten die 94 Aktivisten der örtlichen Floriansjünger nämlich zu 873 Einsätzen ausrücken, bei denen sie exakt 32.149 Arbeitsstunden zum Wohl der Allgemeinheit verrichteten. Dass somit 2011 noch einmal 2.647 Stunden mehr als im ebenfalls schon ungewöhnlich arbeitsreichen Jahr 2010 verzeichnet wurden, hing in erster Linie mit diversen Sturm- und Unwettereinsätzen zusammen. Stadtbrandinspektor Frank Stöcker stellte daher bei der vor Kurzem über die Bühne gegangenen Mitgliederversammlung die Frage in den Raum, wann die Belastungsgrenze seiner Kollegen erreicht sei.Am 24. August war sie zweifellos überschritten. Denn da hatte ein heftiges Gewitter inklusive einer Windhose die Sterzbachstadt heimgesucht und die „Blauröcke“ vor eine Herkulesaufgabe gestellt. „Oberlinden war von der Außenwelt abgeschnitten, über 100 Jahre alte Bäume waren wie Streichhölzer umgefallen, Dächer und Bäume auf Autos gefallen“, ließ Stöcker in seinem Jahresbericht noch einmal die dramatischen Ereignisse vom vorigen Sommer Revue passieren.
Zwei Stunden lang waren 63 Langener Feuerwehrleute da auf sich allein gestellt, „weil sämtliche Telefonleitungen und der Funk völlig überlastet waren“, so der Stadtbrandinspektor, dessen Angaben zufolge es drei Tage dauerte, bis die über 300 Einsatzstellen in Oberlinden, im Nordend und rund um den Bahnhof abgearbeitet waren. Stöcker hofft zwar, dass ein vergleichbarer Sturm Langen nicht allzu oft trifft, aber er ist sich sicher, „dass die Abstände zwischen Unwettern geringer werden, und Hochwasser und Stürme uns vermehrt zu schaffen machen“. Daher müssten Ausbildung und Ausrüstung erweitert und verbessert werden, „damit wir der Bevölkerung weiter helfen können“.
Neben diesem „Jahrhundert-Ereignis“ listete Langens oberster Feuerwehrmann in seinem Bericht noch weitere ungewöhnliche Einsätze auf: So kam ein Kind, das hinter einer Heizung eingeklemmt war, dank der Hilfe der Rettungskräfte mit leichten Verbrennungen davon. Nicht Alltägliches widerfuhr auch einem Autofahrer, der beim Ziehen eines Parktickets am Krankenhaus mit einem Bein unter seinen eigenen Wagen geriet. Und ein erhebliches Verkehrschaos richtete ein Lkw an, der 200 Liter gebrauchtes Speisefett verlor, das schnell fest wurde und die Südliche Ring- sowie die Darmstädter Straße in eine Rutschbahn verwandelte.
Ansonsten lag der Schwerpunkt bei den insgesamt 647 technischen Hilfeleistungen auf der Rettung von Menschen. „Wir haben Türen geöffnet, Personen aus Wohnungen geholt oder aus Unfallautos befreit“, sagte der Stadtbrandinspektor und erwähnte zudem, dass dabei 126 Menschen verletzt gerettet werden konnten, während für neun Personen jede Hilfe zu spät kam.
Im wahrsten Sinn der Worte heiß her ging es auch bei den 110 Brandeinsätzen im vergangenen Jahr (darunter acht Großbrände), bei denen sechs „Zivilisten“ verletzt wurden und ein Mensch starb. Besonders gefordert waren die zumeist ehrenamtlich tätigen Löschexperten bei drei Bränden in Hochhäusern, denn hierbei sind Stöcker zufolge „viel Personal und eine gute Fitness“ vonnöten, und es mussten insgesamt über 100 Menschen in Sicherheit gebracht werden.
Ärgerlich war für die Langener „Spritzenkräfte“, dass unter den im Jahr 2011 verzeichneten 116 Fehlalarmen sechs „böswillige“ enthalten waren. „Vermeintliche Witzbolde drücken dabei vor allem in Hochhäusern auf den Feuermelder und freuen sich, wenn die Feuerwehr kommt“, ist es daher laut Stöcker nahezu unmöglich, die gedankenlosen Übeltäter zu erwischen.
Problematisch ist darüber hinaus die Gewährleistung der sogenannten Tagesalarmsicherheit. „Die für einen kritischen Wohnungsbrand in der Zeit zwischen 6 und 18 Uhr erforderliche Stärke von 25 Personen erreichen wir nicht immer“, gab Stöcker zu und nannte im gleichen Atemzug auch den Grund dafür: „Selbst in Langen oder in der Nähe Beschäftigte können nicht immer kommen, denn wenn der Piepser 50 bis 70 Mal im Jahr während der Arbeitszeit ertönt, fragt jeder Arbeitgeber, ob das nötig ist.“ Daher benötigen die örtlichen Brandschützer nach Meinung ihres Chefs „weitere städtische Angestellte, die uns tagsüber zur Verfügung stehen“.
Und noch etwas treibt Frank Stöcker um: Defizite im Feuerwehrhaus. Die 30 Jahre alte Zentrale entspreche nicht mehr dem Stand der Technik und biete zu wenig Platz. Dabei könnten die dringend benötigten weiteren Einsatzkräfte nur geworben werden, wenn für sie auch genügend Platz vorhanden sei, so Stöcker. Sein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Rathaus: „Wir wissen um die finanzielle Situation unserer Stadt, aber auch die Sicherheit ist ein Standortfaktor, den man nicht aus der Sicht verlieren sollte. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“