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Erzhausen
PROTESTBANNER IM BANNWALD: Bei einem Waldspaziergang dokumentierten die Langener Grünen die Dimensionen der von der Firma Sehring geplanten Erweiterung ihrer Kiesabbauflächen und machten ihre Ablehnung dieses Vorhabens unübersehbar deutlich. (DZ-Foto: p)
Langen (DZ/hs) – Es ist ein Vorhaben, das in seiner Dimension kaum vorstellbar ist. Denn sollte die von der Firma Sehring geplante Erweiterung ihrer Kiesabbaufläche südöstlich des Langener Waldsees tatsächlich Realität werden, dann würden nicht nur im Laufe von 30 Jahren peu à peu 83,7 Hektar Bannwald gefällt (das entspricht über 117 Fußballfeldern), sondern auch pro Jahr etwa eine Million Tonnen Sand und Kies abgebaut werden. Darauf haben Vertreter der örtlichen Grünen am Samstag bei einem „Waldspaziergang gegen Kiesabbau“ hingewiesen, bei dem sich rund 100 Teilnehmer aus Langen und umliegenden Kommunen ein Bild von dem heftig umstrittenen Projekt machten.Bei dieser Gelegenheit wies Stefan Löbig erneut darauf hin, dass die von der Abholzung bedrohten Waldflächen nicht ohne Grund unter die höchste Schutzstufe (Bannwald) fielen. Schließlich übten solch zusammenhängende Waldgebiete „gerade in einer hochbelasteten Region wie dem Rhein-Main-Gebiet eine wichtige Funktion für Klima-, Arten- und Grundwasserschutz aus“, betont der Fraktionsboss der Langener „Ökos“.
Seinen Angaben zufolge handele es sich bei 35 Hektar der Gesamtfläche um „hochwertigen Wald mit nachgewiesenen, besonders schützenswerten floristischen und faunistischen Arten sowie acht Hektar besonders schützenswerte Altholzbestände mit 220 Jahre alten Buchen“. All dies sei ebenso von der Rodung betroffen wie das Trinkwasserschutzgebiet für Langen, Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf.
Genau deshalb will sich die letztgenannte Kommune laut ihrem ebenfalls am Waldspaziergang teilnehmenden Ersten Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn (Grüne) „wenn nötig bis vor Gericht gegen die Pläne der Firma Sehring wehren“. Denn Mörfelden-Walldorfs Trinkwasserbrunnen seien durch die bis zu 30 Meter tiefe Nassauskiesung in ihrer Funktion gefährdet und müssten daher geschützt werden, so Urhahn.
Löbig wiederum erinnerte daran, dass der Wald – wenn er erst abgeholzt sei – „nicht mehr seine wichtige Funktion als Lärm- und Staubfilter erfüllen kann“. Die deutlich gestiegene Lärmbelastung des Frankfurter Flughafens würde dann die Wohngebiete in Neurott „mit voller Wucht treffen“.
Des Weiteren verlieh der Frontmann der Langener Grünen seinen „erheblichen Zweifeln“ Ausdruck, ob die geplante Wiederaufforstung gelingen könne. „Die Rekultivierung an der Ostgrube ist erkennbar gescheitert, die Ersatzpflanzung bis heute nicht vom zuständigen Forstamt abgenommen“, sagte Löbig, der zudem davon ausgeht, dass die Verfüllung der zur Auskiesung vorgesehenen Areale „Sehring vor erhebliche logistische Probleme stellen dürfte“.
Schließlich wären dafür 11,5 Millionen Tonnen hochwertiges Material notwendig, und das, behauptete der Grüne, „ist derzeit auf dem Markt gar nicht in ausreichender Menge vorhanden“. Obendrein habe man bisher in der politischen Diskussion „die erhebliche Verkehrs- und Schadstoffbelastung unterschätzt, die durch den Transport von insgesamt 41,5 Millionen Tonnen Material auftreten würde“. Immerhin müsste 36 Jahre lang zu den normalen Geschäftszeiten alle zwei bis drei Minuten ein 25-Tonnen-Lkw die Kiesgrube an- und abfahren, um den Abtransport von Sand und Kies sowie die Verfüllung sicherzustellen.