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Erzhausen - Politik

Unterschriften gegen Egelsbacher Kreuze

Egelsbach (DZ/hs) – Der Streit um die drei von der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde im öffentlichen Raum aufgestellten Holzkreuze schwelt weiter. Denn obwohl Peter Radebach-Opitz im Juli vorigen Jahres beim Gemeindevorstand beantragt hatte, die der Kirchengemeinde erteilte Erlaubnis zum Aufstellen der Kreuze am Bruchsee, auf dem Rodelhügel bei der Dr.-Horst-Schmidt-Halle sowie am Fernwanderweg in den Wingerten (in der Nähe des Lauftreffs) zurückzunehmen, und er – nachdem es keine Antwort aus dem Rathaus gegeben hatte – Mitte Januar mit seinem Anliegen an die Öffentlichkeit gegangen war, harrt der Egelsbacher bislang weiter vergeblich auf eine offizielle Stellungnahme seitens der Verantwortlichen um Bürgermeister Rudi Moritz. Allerdings prasselten zahlreiche „inoffizielle“ Reaktionen auf Radebach-Opitz ein, der sich gegen „eine auffällige Markierung dieser Plätze durch religiöse Symbole“ wendet und stattdessen dafür plädiert, die Kreuze auf kirchlichem Grund und Boden aufzustellen.Doch mit dieser öffentlich erhobenen Forderung hatte sich der Egelsbacher zur Zielscheibe einiger (selbst ernannter) Christen gemacht. „Ich wurde in anonymen Telefonaten und im Internet aufs Gröbste beschimpft und beleidigt“, wurde Radebach-Opitz eigener Aussage zufolge „eine Lektion in demokratischer Meinungsfreiheit, Toleranz und christlicher Nächstenliebe erteilt, wie ich sie nicht erwartet hatte“.

„Sie sollte man ans Kreuz nageln!“, „Soziopath!“, „Ziehen Sie weg!”, „Gehen Sie doch ins Ausland!“ – angesichts solcher und vergleichbarer Kommentare war der Kreuz-Kritiker an manchen Tagen froh, wenn er nur gefragt wurde, ob er auch die christlichen Feiertage oder die Kerb abschaffen wolle. „Zum Glück gab und gibt es aber auch noch ein anderes, weltoffenes, demokratisches und tolerantes Egelsbach, von dem ich viel Zuspruch und Ermunterung erhalte.“

Weil die Diskussion über das Aufstellen der drei Kreuze an verschiedenen Stellen in der Gemeinde zwar einen lokalen Aufhänger hat, damit aber auch eine grundsätzliche Frage (Wie hält es die Gesellschaft mit der Neutralität des öffentlichen Raumes?) verbunden ist, blieb die Debatte nicht auf die Tränkbachgemeinde beschränkt, sondern hat immer weitere Kreise gezogen. Zumal auch im Internet seit Kurzem eine Petition existiert, deren Unterzeichner sich mit Peter Radebach-Opitz solidarisieren und die Gemeinde Egelsbach ebenfalls auffordern, die Genehmigung für die Kreuze zurückzuziehen.

Unter www.ipetitions.com/petition/egelsbach_crosses haben sich bislang 154 Personen dafür ausgesprochen, dass „der öffentliche Raum ein neutrales Gebiet bleibt, das nicht dauerhaft durch weltanschauliche Symbole markiert wird, und dass die Kreuze auf kirchlichen Grund und Boden umgesetzt werden“. Dort wird unter anderem an die grundgesetzlich verankerte Trennung von Kirche und Staat sowie daran erinnert, dass „der öffentliche Raum nicht zur Religionsausübung oder zur Zurschaustellung von religiösen Symbolen jeglicher Art bestimmt ist“.

Ferner wird dafür plädiert, dass es einen „fairen Wettbewerb der Ideen“ geben müsse, „und nicht Dominanz durch (optische) Gehirnwäsche“. Zudem wird der Kirche geraten, „auf ihrem Grund Werbung zu betreiben oder wie jeder andere Betrieb bezahlte Werbung zu veranlassen und Werbeflächen zu mieten“.

Während sich Radebach-Opitz über diese Unterstützung seitens der Internet-Gemeinde freuen dürfte, stößt dem Egelsbacher das von ihm als „politische Vogel-Strauß-Strategie“ charakterisierte Verhalten der Gemeinde sauer auf. Dass man es im Rathaus in fast acht Monaten nicht geschafft hat, eine verbindliche Antwort zu Papier zu bringen, ob die Kreuze bis zum „St. Nimmerleinstag“ an ihren Plätzen verbleiben sollen oder die Aufstellung befristet wird, kann der Kreuz-Kritiker nicht verstehen.

 
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Herausgeber:
Dreieich-Zeitung
Günther Medien GmbH