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Heusenstamm - Politik

Fluglärm: Furcht vor der Zugabe

Kreis Offenbach (DZ/kö) – Das Paket, das die von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) angeführte Landesregierung mit Vertretern der Luftverkehrswirtschaft beim sogenannten „Fluglärmgipfel“ vereinbart hat, provoziert in mehrfacher Hinsicht Widerspruch. Von einem Feigenblatt, das den Kardinalfehler „Wachstum ohne Grenzen“ nicht kaschieren könne, sprechen Umweltschutzverbände und Fluglärmbetroffene. Auch Oliver Quilling (CDU), Landrat des Kreises Offenbach, und fünf Bürgermeister der hiesigen Region artikulieren Protest. Sie konzentrieren sich auf einen wichtigen Detail-Aspekt. Stichwort: Veränderung einer Startroute.Beim „Gipfel“ sei angedacht worden, die Startstrecke Frankfurt/Oberursel/Bad Homburg durch eine neue Routenvorgabe zu ersetzen. Nördlich der Stadt Neu-Isenburg und – weiterführend – des Kreises Offenbach sollten die Maschinen in Zukunft hochziehen. Doch diese Verschiebung, frei nach dem Motto „hier Abstriche und dort Zugaben“, sei eine Frechheit. Ja, mehr noch: Eine inakzeptable Provokation, gegen die man alle Formen des Widerstands ausschöpfen werde. So klingt der Tenor einer Erklärung, die Quilling und die Bürgermeister Herbert Hunkel (Neu-Isenburg), Peter Jakoby (Heusenstamm), Bernd Roth (Obertshausen), Daniel Tybussek (Mühlheim) und Jürgen Hoffmann (Rodgau) zu Papier gebracht haben.

„Das Maß ist voll. Die Geduld der Menschen ist am Ende“, lässt sich der Landrat zitieren und verweist auf die ohnehin hohen Belastungen, die in ers­ter Linie und seit vielen Jahrzehnten Neu-Isenburg, aber auch die Nachbarkommunen zu tragen hätten. Die „Masse der Anflüge auf das Parallelbahn-System“ des Frankfurter Flughafens sei lärmintensiv. Gleiches gelte für das Szenario „Starts bei Ostwetterlage“.

Dessen ungeachtet gebe es offenbar die Vorstellung, man könne noch munter draufsatteln. „Anscheinend sind die Bewohner des Kreises Offenbach im Vergleich zu Frankfurt und dem Hochtaunus Bürger zweiter Klasse. Zusätzliche Belas­tungen werden die Menschen nicht mehr hinnehmen“, betont der Heusenstammer Verwaltungschef. Jakoby prophezeit „eine Protestwelle“.

Das Grundübel der „Gipfel“-Übereinkunft aus Sicht des Landrats: Das Fehlen einer „definitiven Lärmobergrenze“, denn die könne einer immer weiteren Zunahme des Fluglärms in der Region Einhalt gebieten. Quilling erläutert: „Laut Studien erwartet die Luftverkehrswirtschaft in Deutschland jährliche Zuwächse von fünf Prozent. Nur eine Lärmobergrenze bietet vor diesem Hintergrund effektive Anreize, leiseres Fluggerät einzusetzen und intelligente Flugverfahren zu entwickeln.“

Auch der Neu-Isenburger Bürgermeister zeigt sich unzufrieden mit dem Maßnahmenpaket, das Bouffier und dessen Gesprächspartner als großen Schritt Richtung „Entlastung“ gepriesen haben. Hunkel moniert: „Die positiven Wirkungen der beschlossenen Veränderungen – wie größere Anflughöhen – sind auf das weitere Umfeld des Flughafens beschränkt.“

Für die stark belasteten Airport-Direktanrainer gebe es keine Perspektive unter der Überschrift „leisere Zeiten“. Im Gegenteil: Das Beispiel der Routenverschiebung zeige, dass sich über den Köpfen der schon jetzt stark betroffenen Menschen weiteres (vorerst gedankliches) Unheil zusammenbraue.

 
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Herausgeber:
Dreieich-Zeitung
Günther Medien GmbH