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Langen
Egelsbach (DZ/hs) – Weil die Tränkbachgemeinde seit der Einführung neuer Flugrouten für den Frankfurter Rhein-Main-Airport im März vorigen Jahres unter einer – nach Meinung vieler Bürger – „unzumutbare Doppelbelastung“ durch den örtlichen Mini-Airport und den Frankfurter Großflughafen leidet, hat sich die Gemeindevertretung in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig für eine Klage gegen die neuen Routen ausgesprochen. Gegen die Stimmen der CDU verabschiedete das Parlament darüber hinaus einen von der WGE eingebrachten Antrag, mit dem die Möglichkeiten und Bedingungen für einen Kauf der Anteile von „NetJets“ an der Hessischen Flugplatz GmbH (HFG) ausgelotet werden sollen.Zu der Klage gegen die neu eingeführten südlichen Gegenanflugstrecken haben sich die Egelsbacher Abgeordneten entschlossen, nachdem der von der Gemeinde beauftragte Rechtsanwalt im Vorfeld dargelegt hatte, dass ein juristisches Vorgehen durchaus eine Chance auf Erfolg haben könnte. Schließlich sei Egelsbach – anders als andere Kommunen – durch den Flugplatz vor der Haustür in der Tat doppelt belastet und obendrein seien die neuen Anflugrouten keineswegs alternativlos.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr.Jörg Friedrich sah vor diesem Hintergrund in einer Klage eine reelle Möglichkeit, „den beständig zunehmenden Lärmpegel über unseren Köpfen zu reduzieren“. Zudem müssten die Verantwortlichen bei der Deutschen Flugsicherung im Falle eines Erfolgs beim Gang vor den Verwaltungsgerichtshof in Kassel „mehr Kreativität bei der Lösung der Lärm-Problematik zeigen“.
Ähnlich sah es Friedrichs CDU-Amtskollege Thomas Irmler: „Die durch die geänderten Flugrouten deutlich gestiegene Belastung der Egelsbacher Bevölkerung ist ein echtes Ärgernis.“ Deshalbund wegen der „durchaus realistischen Erfolgsaussichten“ seien die auf die Gemeinde zukommenden Kosten in Höhe von rund 30.000 Euro (also etwa drei Euro pro Kopf) trotz der akuten Finanznot Egelsbachs zu vertreten.
Das enorme Loch im kommunalen Säckel führte Irmler indes wenig später als Grund für die Ablehnung des WGE-Ansinnens nach einer Prüfung der Übernahmemöglichkeiten der „NetJets“-Anteile an der HFG seitens der CDU an. „Das ist ein abenteuerlicher Antrag, denn woher soll denn das Geld für den Erwerb eines defizitären Flugplatzes kommen“, fragte der CDU-Fraktionsboss und erinnerte darauf, dass der Flugplatz-Betreiber weiterhin rote Zahlen schreibt.
In der Tat: Obwohl die HFG in ihrer Bilanz 2011 als „gutes Jahr“ bezeichnet und auf satte Steigerungen bei den Flugbewegungen (ein Plus um rund neun Prozent auf knapp 72.000 gegenüber 2010), beim Passagieraufkommen (plus 16 Prozent) sowie bei den Geschäftsflügen (Zuwachs von 12 Prozent) verwiesen hatte, musste Ende letzten Jahres ein finanzieller Verlust von 286.000 Euro registriert werden.
Doch genau diese Zahl hat die Wahlgemeinschaft dazu bewogen, ihren Prüfantrag zu formulieren. Schließlich sei das zum Imperium des US-Milliardärs Warren Buffett gehörende Luftfahrtunternehmen, das seit 2009 exakt 84,18 Prozent der Flugplatz-Anteile hält (Egelsbach 8,52 und Langen 7,3 Prozent), unter anderem angetreten, um ein Instrumentenflugverfahren einzuführen und Gewinne zu erzielen. Wenn sich nun aber die Verluste der HFG immer weiter ausweiten, wäre es möglich, dass sich „NetJets“ von seiner Beteiligung trennen würde.
„Das wäre für die Gemeinde von höchster Bedeutung“, so Hans-Jürgen Rüster. „Wir müssen als Erste wissen, ob ‚NetJets’ plant, zu verkaufen, damit nicht plötzlich ein anderer Investor kommt, der Charter- und Linienflug einführen will“, malte der WGE-Abgeordnete ein Horrorszenario an die Wand.