Beginn einer neuen Ära Burkhard Ziegler ist Erster Stadtrat von "MöWa"

VON DER BÖRSE INS RATHAUS hat Burkhard Ziegler sein berufliches Betätigungsfeld verlegt. Der bisherige Bankfachwirt fungiert ab sofort als Erster Stadtrat Mörfelden-Walldorfs und will unter anderem die finanzielle Situation der Stadt nachhaltig verbessern. (Foto: p)

Von Harald Sapper

 

MÖRFELDEN-WALLDORF. Ab dem heutigen Mittwoch verfügt die Doppelstadt über einen neuen Ersten Stadtrat: Burkhard Ziegler ist am Dienstag voriger Woche nämlich in geheimer Wahl zur Nummer 2 innerhalb der Verwaltungshierarchie - hinter ­Bürger­meister Heinz-Peter Becker (SPD) - gekürt worden und tritt seinen neuen Job zum 1. März an. Für den 48 Jahre alten Vorsitzenden der Freien Wähler (FW) votierten 25 der 42 anwesenden Stadtverordneten und somit mutmaßlich alle Abgeordneten der aus SPD (verfügt über zwölf Sitze im Parlament), FW (zehn) und FDP (drei) bestehenden Koalition. Ziegler beerbt Franz-Rudolf Urhahn (Grüne), der diesen Posten seit 2007 innegehabt hatte.

 

Urhahns Nachfolger hat damit eine Politkarriere im Schnelldurchlauf hingelegt, die er sich vor etwas mehr als zwei Jahren wahrscheinlich selbst nicht hätte träumen lassen. Seinerzeit, Ende 2014, rief die Diskussion um eine drohende Verdoppelung der Kita-Gebühren den verheirateten Vater zweier Töchter auf den (Polit)Plan und er begann, sich intensiver mit Kommunalpolitik auseinanderzusetzen. "Bei allen etablierten Parteien stieß ich aber auf Punkte, die mich störten, sodass ich letztendlich mit einigen Mitstreitern zu dem Schluss kam, die örtlichen Freien Wähler aus der Taufe zu heben", erinnert sich der gebürtige Münchner im Gespräch mit der Dreieich-Zeitung an seinen Einstieg in die Lokalpolitik.

Das war im Januar 2015 - und nur ein knappes Jahr später erlebte die zweitgrößte Stadt des Kreises Groß-Gerau ein politisches Erdbeben: Bei der Kommunalwahl im März wurden die Freien Wähler mit 22,8 Prozent der abgegebenen Stimmen aus dem Stand zweitstärkste Kraft und einigten sich nur drei Monate später mit SPD und FDP auf die Bildung einer Koalition. Dank dieser parlamentarischen Mehrheit war der Weg für Burkhard Ziegler an den Schreibtisch des Ersten Stadtrats frei - und als dieser ist er ab sofort tätig.

"Ich möchte Stadtrat für alle Mörfelden-Walldorfer sein", kündigte der seit 1996 in der Doppelstadt lebende Bankfachwirt in seiner Antrittsrede nach der Vereidigung an, der bislang seine Brötchen bei einer Privatbank als Generalbevollmächtigter für Aktienhandel an der Frankfurter Börse verdient hatte. "Dabei war ich für alle Dienstleistungen rund um den Kapitalmarkt für mittelständische Unternehmen verantwortlich", sieht sich Ziegler in Anbetracht seines beruflichen Hintergrundes ohne Wenn und Aber als Finanzfachmann.

Das kann ihm bei seiner künftigen Aufgabe nur nützlich sein, denn sein Ressort umfasst die Bereiche Kämmerei, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, Stadtwerke sowie Soziales. Im letztgenannten Sektor "habe ich definitiv die geringste Erfahrung", gibt der FW-Boss unumwunden zu, verweist aber gleichzeitig darauf, "dass die Mitarbeiter in den verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung über das nötige Fachwissen verfügen". Dennoch werde er sich natürlich ab sofort in die jeweilige Materie reinarbeiten. Mit dem Bürgermeister und den verschiedenen Amtsleitern habe er schon "sehr ausführliche und gute Gespräche" geführt - mit seinem Vorgänger Urhahn hingegen nicht.

Ziegler sieht sich in seiner neuen Funktion übrigens in erster Linie als "Bindeglied zwischen Bürgern, Gewerbe, Verwaltung und Politik", will einerseits vermitteln, andererseits aber auch Mehrheiten zusammenbringen. "Kommunikation ist alles", lautet daher das Credo des frisch gebackenen Ersten Stadtrates, der deshalb versuchen will, "immer ein offenes Ohr für alle Seiten zu haben". Kons­truktive Kritik erachtet er als ebenso wichtig wie Anstand und Respekt im persönlichen Umgang miteinander. "Persönliche Angriffe und Beleidigungen helfen Mörfelden-Walldorf hingegen nicht weiter und verhindern konstruktive, lösungssuchende Debatten."

Oberste Priorität in seinem neuen Job hat für Ziegler, "dass wir den Schutzschirm vernünftig und erfolgreich verlassen". Dafür müsse die Stadt ihre "desolate Finanzsituation" in den Griff bekommen und den bis dato nur "minimalen Handlungsspielraum" ausweiten. Gelingen könne dies, "wenn wir die Einnahmebasis verbreitern, also die erforderlichen Rahmenbedingungen für die Ansiedlung weiterer Unternehmen schaffen". Diese dürften indes nicht sonderlich platzintensiv sein, da es "MöWa" an entsprechend dimensionierten Gewerbeflächen mangele.

"Gemeinsam mit allen, die guten Willens sind", will Burkhard Ziegler in den kommenden Jahren zudem Antworten auf die "brennenden Fragen der Stadt und ihrer Entwicklung" finden. Ihn bewegt eigenen Angaben zufolge unter anderem, "wie wir es schaffen, Mörfelden-Walldorf noch attraktiver und sicherer zu machen, wieder mehr Leben in die Kernbereiche unserer Stadt zu bringen und die Perspektiven für die Vereine - Stichwort: Hallenkapazität - zu verbessern". Langweilig, so viel scheint sicher zu sein, dürfte es dem Ersten Stadtrat demnächst also nicht werden.

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