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Mörfelden-Walldorf
Mörfelden-Walldorf (DZ/ba) – In der Stadtbücherei im Kulturhaus in der Bahnhofstraße 1 in Mörfelden findet am Samstag (10.) um 14.30 Uhr die Auftaktveranstaltung für das zunächst bis zu den Sommerferien konzipierte Projekt „Mehrsprachig lesen“ statt. In der Bürgermeister-Klingler-Schule lesen einmal wöchentlich Lesepaten verschiedener Nationalitäten mit den Kindern Bücher in der jeweiligen Muttersprache. In Rollenspielen und beim Malen und Basteln wird das Vorgelesene spielerisch dargestellt.Jedes dritte in Deutschland aufwachsende Kind komme aus einer binationalen oder eingewanderten Familie, berichtet der Magistrat. Im Rhein-Main-Gebiet seien es bereits über 60 Prozent der eingeschulten Kinder. „Für viele dieser Kinder und ihre Familien gehört Mehrsprachigkeit also längst zu ihrem Alltag. Zwei- oder mehrsprachiges Lesen in einer sich einsprachig verstehenden Umwelt entwickelt sich nicht von selbst. Mehrsprachige Menschen müssen diese Ressource pflegen, damit daraus für sie eine verwertbare Kompetenz wird“, heißt es weiter. Die Anerkennung der Muttersprache sei ein wichtiger psychologischer Faktor für Menschen mit Migrationshintergrund, da ihre Sprachen wesentlich ihre Identität prägten.
Bildungsinstitutionen wie Kindergärten und Grundschulen könnten aufgrund ihrer bisherigen konzeptionellen Vorgaben die Mehrsprachigkeit der Kinder nicht als Ressource wahrnehmen. Das Integrationsbüro möchte die Mehrsprachigkeit fördern und zwischen den schulischen und außerschulischen Akteuren wirken.
Ziel sei es, die Sprachressourcen von Kindern mit Zuwanderungsbiografie zu entdecken, wertzuschätzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, diese weiterzuentwickeln. Das Projekt wurde in Kooperation mit der Stiftung der Kreissparkasse Groß-Gerau, die das Projekt finanziert, sowie der Bürgermeister-Klinger Grundschule und der Stadtbücherei gemeinsam entwickelt.
Die Förderung der Muttersprache sei nicht als Gegensatz zur Förderung der deutschen Sprache zu sehen. Mehrsprachige Menschen seien ein bedeutendes Potenzial für unsere Gesellschaft, meinen die Initiatoren des Projektes.
So hätten diese Menschen besonders gute Voraussetzungen, weitere Sprachen zu erlernen, entwickelten mit dem Erwerb anderer Sprachen die Fähigkeit, flexibel auf unterschiedliche Situationen zu reagieren und könnten eine Brückenfunktion einnehmen als Vermittler zwischen unterschiedlichen Kulturen.