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Rödermark - Politik

Frei und rein... Muss das Gymnasium sein?

Rödermark (DZ/kö) – Frage: „Im Koalitionsvertrag von CDU und Anderer Liste (AL) steht, dass man die Einrichtung eines Gymnasiums prüfen sollte. Was halten Sie davon?“ Antwort: „Ich bedaure sehr, dass solch eine Forderung gestellt wird. Und zwar, weil sie nicht realisierbar ist, aber zu einer Verunsicherung in der Elternschaft führt.“ Mit dieser Aussage hat Jochen Zeller, Leiter der Nell-Breuning-Schule (NBS) und zugleich Stadtverordneter der SPD, bei der schwarz-grünen Mehrheit in ein Wespennest gestoßen. Aufregung herrscht(e) zumindest beim größeren der beiden Bündnispartner. Kaum hatte die Frankfurter Rundschau die Interview-Sätze des Pädagogen veröffentlicht, da meldete sich die Union mit einer Presseerklärung zu Wort. Deren Tenor: An der ­Vision „ein eigenständiges Gymnasium für Rödermark“ werde festgehalten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert erklärte auf Nachfrage: „Wir sind an der Sache dran.“ Ein Modell wie das der „Strothoff International School“ in Dreieich, die als Elite-Einrichtung mit Elternbeiträgen von über 15.000 Euro pro Jahr für Schlagzeilen sorgt(e): Wäre das auch eine Option für die Nachbarstadt?Konkrete Aussagen zur (freien) Trägerschaft und zur Konzeption des Gymnasiums umgeht die ­Union. Aber so viel lässt sich Gensert schließlich doch entlocken: Zu glauben, der mit riesigen Finanzproblemen „gesegnete“ Kreis Offenbach werde in seiner Funktion als Schulträger in Rödermark in die Offensive gehen und die Bildungslandschaft mit einem neuen Haus beglücken... Das sei eine gewagte, ziemlich naive Prognose, räumt der Christdemokrat ein.

Also doch: Ein Unternehmen oder ein reicher Privatmann als Schulstifter? Man strecke die Fühler aus, erkenne aber gleichwohl, „dass es schwierig bleibt“. Die Frage, wie die Stadt Anschubhilfe leisten könne (Gensert: „eventuell mit der Bereitstellung eines Grundstücks“), spiele eine wichtige Rolle.

Grundsätzlich sei die Idee reizvoll: Ein Gymnasium im G8-Format, also mit Abiturprüfung nach 12 Schuljahren, ausgerichtet auf den Fächer-Schwerpunkt „Naturwissenschaften“ oder „Wirtschaftslehre“... Endlich ein Angebot mit Blick auf all jene Eltern, die für ihre Kinder solch eine Schulform suchten und davon mitunter sogar die Frage „Wo wollen wir wohnen?“ abhängig machten... Eine Ergänzung zum Modell der Integrierten Gesamtschule, das die NBS biete, seit Jahrzehnten mit einem guten Ruf, aber mit 1.800 Schülern eben auch am absoluten Kapazitätslimit...

So, im altbekannten Argumentationsmuster, das die Union in regelmäßigen Abständen abspult, um das Thema öffentlich in Erinnerung zu rufen, listet Gensert die aus seiner Sicht reichlich vorhandenen Pluspunkte auf. Frei nach dem Motto: Niemand wolle die NBS austrocknen und im Bestand gefährden. Es gehe vielmehr darum, Raum für eine Alternative zu eröffnen. Raum für eine gute Nachbarschaft. „Die beiden Schulen, so es sie denn in unserer Stadt gäbe, könnten in der Oberstufe zusammenarbeiten“, gibt der CDU-Fraktionschef zu bedenken.

Doch aus der Warte des NBS-Leiters können derlei Beschwichtigungs-Formeln nicht über den eigentlichen Streitpunkt hinwegtäuschen. Elementar, so Zeller, sei die Frage, warum die gut etablierte und funktionierende Bildungsarchitektur à la Rödermark in der Mittel- und Oberstufe unbedingt umgebaut werden müsse. Warum die CDU nicht müde werde, solch einen Eingriff in die vorhandene Struktur zu fordern – das gebe zu denken.

Und nicht minder: Die Frage, was AL/Grüne dazu veranlasst habe, den Steigbügel für das Fortspinnen solcher Gedankenspiele zu halten. Politische Überzeugung? Oder nur taktisches Kalkül? Ein Zuckerl für den schwarzen Koalitionspartner?

Zeller will nicht ausschweifend spekulieren. Er stellt nüchtern fest: Die Oberstufe an der NBS, derzeit belegt mit rund 400 Schülern in den Klassenstufen 11 bis 13, biete ein facettenreiches Unterrichtsprogramm und gute Perspektiven für die angehenden Abiturienten. Wer partout ein „reines Gymnasium“ wünsche, werde im näheren Umkreis (Dreieich, Heusenstamm) fündig.

Der schmale Pfad, auf dem die CDU unverdrossen marschiere, sei ein Irrweg. Es könne nicht ernsthaft angestrebt werden, in Rödermark ein Haus mit elitärem Dünkel zu eröffnen. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau hatte Zeller über die Motive der Union sinniert. Gehe es ihr darum, „dass über dem Gebäude ‚Gymnasium’ steht und bestimmte soziale Schichten ausgeschlossen sind vom Besuch“? Das, so der führende Kopf der NBS, wäre in der Tat „ein bildungspolitischer Rückschritt“.

 
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Herausgeber:
Dreieich-Zeitung
Günther Medien GmbH