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Rödermark
Rödermark (DZ/kö) – Wenn das Wort „Kinnerschul“ die Runde macht, wissen betagte Ober-Röder ohne lange zu überlegen, was Sache ist. Die Betreuungs-Einrichtung, betrieben von einem katholischen Schwesternorden im Ortskern, war für die Alteingesessenen einst das Nachwuchs-Nest schlechthin. Dort wurde gespielt, gelernt, gelacht, geweint, gebetet... Der Alltag der Jüngsten, eingebettet in den Strom und den Wandel der Zeit. Wer heute die Kindertagesstätte der Pfarrei betritt, kann erahnen, wie viel sich verändert hat. Das Jubiläum bietet Gelegenheit, darüber nachzudenken und zu sprechen. „100 Jahre Kinderbetreuung in Sankt Nazarius“ gilt es zu beleuchten.Auf eine Festwoche freuen sich Kita-Leiterin Christine Großebörger, deren Kolleginnen, die Eltern... Und natürlich jene 70 Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und sechs Jahren, die derzeit die Räumlichkeiten nahe der Kirche mit Leben füllen. Vom 18. bis 24. Juni soll gefeiert werden.
Vorzubereiten sind ein akademischer Festakt, ein Generationennachmittag für Jung und Alt, ein Ehemaligentreffen und die Kombination „Festgottesdienst plus Sommerfest“, die am Sonntag (24.) den Schlusspunkt unter den Jubiläumsreigen setzen wird.
Unter der Regie des Heimat- und Geschichtsvereins sollen eine Ausstellung und eine Festschrift erstellt werden. Derzeit läuft die Suche nach historischen Dokumenten (Fotos, Schriftstücke, Bastelarbeiten) auf Hochtouren. Dinge der Kategorie „Erinnerung“, die die Entwicklung von der „Kinnerschul“ über den späteren Kindergarten an der Pfarrgasse (ab 1963) bis hin zur Kita in moderner Aufmachung (seit 1995) nachzeichnen, werden benötigt.
Wer etwas zur Bereicherung des Kaleidoskops beisteuern möchte, kann mit Großebörger, Telefon (06074) 97843, Kontakt aufnehmen.
Von 1912 bis 1971 zog der Orden „Schwestern von der Göttlichen Vorsehung“ die Regiefäden, wenn von der außerfamiliären Betreuung und Erziehung der Ober-Röder Knirpse die Rede war. Seit gut 40 Jahren fungiert die Pfarrgemeinde als Träger der Einrichtung, kräftig unterstützt von der Rödermärker Verwaltung, die 85 Prozent des Kita-Budgets mit Geld aus der Stadtkasse abdeckt.
Pfarrer Elmar Jung verweist auf die großen Veränderungen, die nach einem Jahrhundert pädagogischer Arbeit – basierend auf konfessioneller Wertevermittlung – zu bestaunen sind. Das sicher herzliche, aber eben auch strenge und an den Normen der damaligen Zeit orientierte Wirken der Schwestern sei das Eine. Der Ist-Zustand unter der Überschrift „Auf dem Weg zum Familienzentrum“, ausgerichtet auf das Anforderungsprofil „noch bessere Verzahnung von Familie, Beruf und frühkindlicher Bildung“ sei das Andere. Wer wolle, so Jungs Tenor, könne Verbindungslinien erkennen, ungeachtet der starken Verschiebungen, dies es zweifelsohne gegeben habe.
Apropos „konfessionelle Wertvermittlung“: Für viele Eltern sei dieser Aspekt nach wie vor ein wichtiges Kriterium, wenn die Auswahl eines Vorschulhauses anstehe, weiß Großebörger zu berichten. Sehr wichtig aus Sicht der Kita-Leiterin: Die Funktion als Brücke zwischen verschiedenen Kulturkreisen und Glaubensrichtungen sei mittlerweile ein Muss. Ja, mehr noch: eine Selbstverständlichkeit.
Rund 25 Prozent der momentan betreuten Kinder stammten aus Migrantenfamilien mit muslimischem Hintergrund. Ihre gute Einbindung in den Kita-Alltag zeige, dass die Brücke belastbar sei. Unter diesen Vorzeichen – frei nach dem Motto „katholisch, aber offen“ – soll auch die Festwoche im Frühsommer zelebriert werden.
In der Kita-Infobroschüre heißt es zum Selbstverständnis des Hauses: „Wir sind ein Ort der Begegnung und eine Gemeinschaft, in der wir Menschen aller Religionen und Weltanschauungen willkommen heißen.“