- Home | Politik | Wirtschaft | Sport | Gesellschaft | Kultur | Vereine | Leserbriefe
Rödermark
Rödermark (DZ/kö) – „Die Stadtverordneten-Versammlung spricht sich grundsätzlich für die Nutzung der Windenergie und die Errichtung von Windkraftanlagen auf dem Gebiet von Rödermark aus.“ Solch ein Beschluss, einstimmig gefasst, wäre vor fünf Jahren noch undenkbar gewesen. Doch sieh’ an: Die von der Bundesregierung ausgerufene „Energiewende“, die eine beschleunigte Hinwendung zu regenerativen Formen der Strom- und Wärmeerzeugung vorsieht, sorgt auch auf der kommunalen Ebene für bemerkenswerte Wendemanöver. Beispiel CDU: Während des Kommunalwahlkampfs im Frühjahr 2006 warnte die Partei noch vor einer „Verspargelung der Landschaft“ und bezeichnete die Vision „Rotoren auch im Flachland“ als grüne Spinnerei. Doch mittlerweile weht im Rödermark-Parlament ein anderer Wind. Gemeinsam mit ihrem Koalitionspartner AL/Grüne will die Union dem Öko-Thema Auftrieb geben.Der Magistrat soll das Terrain sondieren. Sprich: Prüfen, wo im Stadtgebiet geeignete Flächen für Windkraftanlagen vorhanden sind, wie umweltverträglich solche Objekte sind, wie sie den Flugverkehr tangieren und das Landschaftsbild beeinträchtigen...
Kurzum: Basis-Datenmaterial verlangen die Stadtverordneten, um in einem zweiten Schritt über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten entscheiden zu können.
Fragen, die – wenn es dazu käme – dann zur Erörterung anstünden: Wer betreibt die Windmühlen? Wie wirtschaftlich ist das Ganze? In welcher Form profitiert die Stadt?
Doch bis dahin ist der Weg noch weit. Jetzt heißt es: Fühler ausstrecken. Verabschiedet wurde ein entsprechender Antrag des schwarz-grünen Bündnisses. Den Impuls für den Vorstoß hatte freilich die SPD geliefert mit ihrem Plädoyer für Windräder mit einer Nabenhöhe von nicht weniger als 120 (!) Metern, die in der Lage seien, auch relativ schwache Brisen von zirka fünf Metern pro Sekunde in Energie umzuwandeln (die Dreieich-Zeitung berichtete).
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Junge und dessen Kollgen ärgerten sich über die Weigerung der CDU/AL-Mehrheit, die Forderung „Bürgerbeteiligung“ in den Antragstext aufzunehmen. Es sei ein Unding, so die Sozialdemokraten, dass diese in Anbetracht des sensiblen Themas doch eigentlich als Selbstverständlichkeit zu betrachtende Bedingung keine Berücksichtigung finde.
Konter der Koalition: Erst müssten grundsätzliche Fakten auf den Tisch. Anschließend könne der selbstverständlich gewollte Dialog mit der Bevölkerung beginnen.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger erinnerte an die einstigen „Verspargelungsängste“ der CDU, die er selbst geteilt habe, damals noch parteipolitisch anders orientiert, als Flugblattverteiler in den Reihen der Christdemokraten. Doch das Denken, was die Bedeutung erneuerbarer Energien anbelange, habe sich gewandelt, räumte Kruger freimütig ein. Die FDP sperre sich nicht (mehr) gegen eine breit angelegte Offensive für Erdwärme, Biogas sowie Wasser-, Solar- und Windkraft, lege aber Wert darauf, dass kein Anlagen-Wildwuchs zustande komme.
Peter Schröder (Freie Wähler) machte eine – erste – Einschränkung gegen das gedankliche Szenario der turmhohen Windräder geltend. Wo könne man sich diese am ehesten vorstellen beim Blick auf die Rödermärker Topographie? Richtig: Auf der Bulau, doch just dort seien die Dinger wohl nicht genehmigungsfähig, da eine Tabuzone rund um die regionale Wetterstation (gelegen zwischen Langen und Dreieich-Offenthal) zu beachten sei. Die Freien Wähler hätten vorab recherchiert, erklärte Schröder.
Fazit nach der Aussprache im Parlament: „Grünes Reden“ hat derzeit Konjunktur. Abzuwarten bleibt, ob konkrete Maßnahmen folgen. Dies gilt auch beim Stichwort „Energie-Genossenschaft für Rödermark“. Die Stadtverwaltung soll den Aufbau eines derartigen Projekts unterstützen und damit Bürgern die Möglichkeit eröffnen, Investitionen unter ökologischen Vorzeichen (Photovoltaik, Windkraft etc.) im Verbund zu tätigen.
Dies haben die Stadtverordneten in der vorigen Woche beschlossen, ebenfalls einstimmig und auf Antrag der CDU/AL-Allianz.